Diese Sache mit Khedira

Es herrscht ja bei Schalkeanhängern gerne mal ein ziemliches Spannungsfeld: Einerseits muss man immer über alles, was im Verein passiert unverzüglich bis ins kleinste Detail informiert sein – besonders was Personalfragen angeht – andererseits mag man es überhaupt nicht sehen, wenn der Verein sich teils öffentlich sichtbar um Personal bemüht, welches dann nicht zu einer Anstellung überzeugt werden kann.

Bei Sami Khedira hatte Horst Heldt mehrfach öffentlich angedeutet, dass man sich eingehend mit dem Spieler befasse, zuletzt aber betont, ohne eine Trainerverpflichtung für die neue Saison in dieser Sache keine Entscheidung treffen zu wollen. Die Logik dahinter mag zwar nicht von der Hand zu weisen sein, jedoch sollte man sich schon fragen, wie sinnvoll diese Ausrichtung der Einkaufspolitik als FC Schalke 04 ist, der seine Trainer öfter wechselt, als die Irrlichtgestalt Beckenbauer ihre Meinung. Es ist eben eine Frage der Philosophie. Und das ist auf Schalke so eine Sache.

Ein kleiner Schlenker, aber der musste sein. Zurück zu Sami Khedira. Die Gespräche zwischen ihm und Schalke, so lässt er es in etwa verlautbaren, seien gut gewesen und durchaus weit fortgeschritten. Auch mit Di Matteo habe er sich positiv ausgetauscht. Dann wurde es auf Schalke zunehmend unruhiger und der Trainer musste gehen. Von diesem Zeitpunkt, so Khedira, sei ihm klar gewesen, dass er woanders hingehen müsse.

Eine Argumentation, die man bei einem Spieler, der in Deutschland tendenziell unterschätzt wird, durchaus nachvollziehen kann. Man denke nur an die Einschätzungen diverser Experten, Khedira sein sowieso dauerverletzt und bereits in einer Art Vorruhestand. Da will man als Spieler ganz gewiss wissen, mit welchem Trainer man es zu tun hat. Das ist ja immer auch eine Sache des Vertrauens.

Ebenso nachvollziehbar sind natürlich die reflexartigen Ausführungen vieler Schalker, seine Argumente seien albern und die Verpflichtung nur an zu hohen Gehaltsforderungen gescheitert. Wobei das natürlich schon ein bisschen komisch ist, hört man doch allenthalben, Schalke zahle den meisten Spielern ganz automatisch viel zu viel Gehalt. Aber geschenkt.

Was nun wirklich stimmt, werden wir nicht herausfinden können, jedoch sind Khediras Aussagen, auch weil sie einfach sehr plausibel erscheinen, ein fetter Warnschuss für Schalke. Spieler von dieser Klasse haben es schlicht nicht mehr nötig, sich einem solchen Theater mit Minimum einem Trainerwechsel und drei Fanprotesten pro Saison auszusetzen. Aber auch Spieler eines geringeren Kalibers werden dies sehr aufmerksam aufgenommen haben. Die werden sich unter Umständen auch fragen, zu welchem Gehalt man sich das noch antut, wenn man zum Beispiel in Leverkusenwolfsburggladbach für mehr oder weniger gleiches Gehalt ganz in Ruhe arbeiten kann.

Bleibt das aktuelle Steckenpferd der Schalker: Die Jugendabteilung. Klar ist es derzeit für viele junge Talente sicher verlockend in der Schalker Jugend zu spielen, aber mit der Aussicht auf chaotische erste Profijahre mit zahlreichen Trainer- und Spielphilosophiewechseln und einer dadurch gebremsten Entwicklung könnten Entscheidungen dort in Zukunft auch anders ausfallen.

Es muss also endlich wieder Ruhe einkehren. Gerne auch mal für mehr als ein halbes Jahr. Vielleicht ist mit der Verpflichtung André Breitenreiters ein erster Schritt getan. Ich wünsche es ihm. Und uns.

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4 Comments

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4 Responses to Diese Sache mit Khedira

  1. Ruhe? Wird bei uns wohl nie einkehren. Kontinuität? Die wünsche ich uns allen! Denn dann wird es sportlich auch automatisch besser laufen, davon bin ich überzeugt. Und ein wenig ruhiger wäre es dann vielleicht auch noch. 😉

  2. Dann sind wir uns ja doch einig! 😉

  3. Pingback: #Link11: Personalkarussell | Fokus Fussball

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