Die zweite Meisterschaft

Spätestens, seit man den Bayern den Meistertitel auch rechnerisch nicht mehr nehmen kann, wird von Medien und teilweise auch Spielern von einer “Meisterschaft hinter den Bayern” geredet. Was da hinter steckt, ist klar. Einerseits haben die Bayern der Konkurrenz über die komplette Saison überhaupt keine Chance gelassen und waren schon relativ früh einteilt. Da muss man den Rest der Liga irgendwie interessant reden/schreiben. Zum Glück haben wir ja noch den Abstiegskampf, der in diesem Jahr recht spannend ist. Andererseits wollen die Spieler ihre eigenen Leistungen in der Öffentlichkeit natürlich auch nicht schlechter aussehen lassen, als sie sind, also “erfindet” man flott einen neuen Wettbewerb: Die Meisterschaft hinter den Bayern. Schön und gut. Allerdings stellte sich mir die Frage, wie gut die aktuellen Teams hinter den Bayern im Vergleich zu den letzten Jahren sind, sprich: Wo hätte man in in den vergangen fünf Jahren mit 55 Punkten (BVB, aktuell 2. Platz) am 28. Spieltag gestanden?

Die Antwort ist wenig spektakulär: Für die Tabellenführung hätte es nie gereicht. In drei von fünf Jahren wäre man mit 55 Punkten am 28. Spieltag sogar nur auf dem dritten Platz zwischengelandet. Schaut man sich die Grafik unten an, sind 55 Punkte wohl ziemlich normal für eine Mannschaft auf den Verfolgerplätzen zu diesem Zeitpunkt.

Bemerkenswert ist allerdings der Abstand des Spitzenreiters. Dieser ist, mit Ausnahme 2011/12 in jedem Jahr seit der überraschenden Meisterschaft der Wolfsburger angewachsen. Bei der 2011-Meisterschaft des BVB deutlich, im letzten Jahr noch deutlicher, in diesem bekanntermaßen dramatisch. Ebenfalls interessant ist die Anzahl an Mannschaften, die sich im betrachteten Zeitraum unter den Top 6 getummelt haben: Ganze 15 Vereine stritten sich um die vorderen Plätze.

Wenn nun also auch Vereine, die sich zwischenzeitlich in die Zweitklassigkeit verabschiedet hatten, plötzlich oben mitspielen können, spricht das noch für eine starke Liga? Oder treten alle Mannschaften außer der einen, die Jahr für Jahr hohe zweistellige Millionenbeträge für Ablösesummen und Verpflichtungen auf den Tisch legt, mal mehr, mal weniger auf der Stelle? Eigentlich nicht, oder? Irgendwie fühlt es sich für mich tendenziell natürlich an, wenn in einer Liga gewisse Platzierungen grob an Richtwerte “gekoppelt” werden können. Wer über 60 Punkte holt darf im nächsten Jahr durch Europa reisen, mit 38 Punkten muss man schon mächtig Pech haben, um noch abzusteigen, und für die Meisterschaft sollte man schon so irgendwo bei Mitte 70 landen. Gegen Ausreißer ist natürlich nichts einzuwenden. Die Liga darf diese riesigen Abstände an der Spitze nur nicht zur Regel oder noch größer werden lassen. Fragt sich nur, wie man das machen soll. 

Punktausbeute der "Top15" von 2009-20014 (rückwärts, Stand 28. Spieltag)

Punktausbeute der “Top15″ von 2009-20014 (rückwärts, Stand 28. Spieltag, für große Ansicht anklicken!)

Die Grafik ist eher ein Abfallprodukt meiner Nachforschungen, vorenthalten wollte ich sie Euch aber nicht.

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