Eine Lanze

Oft ist sie auf Schalke Thema. Sobald ein hoffnungsvolles Talent den ersten Profivertrag unterschreibt oder ein potenter Verein von der Insel wegen eines Hoffnungsträgers anklopft. Während das Transferfenster geöffnet ist sowieso. Julian Draxler hat eine. Max Meyer wohl auch. Den Hunter interessiert seine wohl nicht so richtig. Es geht um die Ausstiegsklausel, und damit um festgeschriebene Ablösesummen.

Oft ist die Aufregung groß, wenn eine solche Vereinbarung ans Tageslicht kommt. Summen werden diskutiert und meist für zu niedrig befunden. Dem Manager wird vorgehalten, nicht anständig zu verhandeln, und sowieso: Verträge ohne Ausstiegsklausel kann der gar nicht mehr! Amateur! Gerne wird dann auch jegliche Kompetenz abgesprochen.

Dabei haben Ausstsiegsklauseln und auch das Bekanntwerden selbiger durchaus Vorteile. In meinen Augen überwiegen diese sogar. Zum einen hat man als Verein sicherlich bei den Gehaltsverhandlungen mit einem Spieler weit mehr Spielraum, wenn man sich von vornherein auf feste Ablösemodalitäten einigt. Der Spieler hat so einigermaßen Gewissheit, dass ein potenter Verein, der auch zu größeren Gehaltszahlungen bereit ist, ohne großes Hickhack die Möglichkeit hat, ihn unter Vertrag zu nehmen. Der Verein hingegen hat die Sicherheit, den Verlust des Spielers ohne nervenaufreibendes und vor allem langwieriges Geschacher mit einer Summe X aufgewogen zu bekommen. Der Spieler unterschreibt also einen Vertrag zu “anständigen” Konditionen und hat die Gewissheit, im Fall der Fälle keine Steine in den Weg gelegt zu bekommen. Spieler einer gewissen Klasse unterschreiben vermutlich auch einfach keine Verträge mehr, die ohne solche Klauseln ausgestattet sind. Das sollten sich manche vielleicht auch mal klar machen. Das Risiko, einen Spieler im Kader zu haben, der durch provokante Interviews, mieses Training oder sonstwas einen Wechsel provoziert, lässt sich so auf jeden Fall verringern, wenn alle Modalitäten schon vorher geklärt sind: Bring einen Verein, der abgemachte Summe X auf den Tisch legt, und gut!  Und eben jene Summe X tut einem notorisch klammen Club meist ja ganz gut.

Natürlich muss ein Verein für jeden Spieler mit Ausstiegsklausel immer einen Plan B in der Schublade haben, allerdings sollte dies ja sowieso eine Selbstverständlichkeit. Besonders junge Talente  sorgen ja bei wohlhabenden Vereinen ohne echte Nachwuchsarbeit immer wieder für Begehrlichkeiten.

Bleibt noch die Frage, wie sinnvoll es ist, offensiv mit vereinbarten Ausstiegsklauseln umzugehen. Eines ist klar: Sobald eine Vertragsverlängerung mit einem Topspieler bekannt gemacht wird, beginnen die Medien zu bohren. Ausstiegsklausel? Ja? Nein? Gehalt? Wie hoch? In der Regel werden die sich Spekulationen über etwaige Klauseln mit der Zeit zumindest in der Nähe der Wahrheit einpendeln. Die Spielerberater darf man hier natürlich nicht außer Acht lassen. Wenn sie an Ablösesummen partizipieren, was meines Wissens nach in der Regel der Fall ist, werden sie den Spieler natürlich, unter Offenlegung der festen Ablöse, dem ein oder anderen Verein anbieten. Die Summe wird also über kurz oder lang sowieso bekannt. Zudem sind mitten in der Saison wechselnde Trainer und sogar Manager auch nicht mehr ausgeschlossen. Diese nehmen natürlich ein solches Insiderwissen mit und können dies dann geschickt ausspielen, wie offenbar zwischen Bremen und Freiburg im Fall Makiadi geschehen. Also kann man gleich tendenziell eher offen mit dem Thema umgehen.

Und auch, wenn es auf Schalke bisweilen so anmutet, als hefte man ein Preisschild an gewisse Spieler, finde ich das Zeichen, das man damit setzt, absolut in Ordnung: Wer hier was will, muss Geld mitbringen. Denn Geld ist ja nicht ohne Grund ein Dauerthema auf Schalke.

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2 Comments

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2 Responses to Eine Lanze

  1. Eine Einschätzung, die man durchaus teilen kann.

  2. Pingback: #Link11: Stell dir vor, es ist Pokal und keiner geht hin | Fokus Fussball

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