Im Sturmzentrum

Schalke muss mit einer 3:0 Niederlage vom „Freundschaftsspiel“ aus dem Frankenland abreisen, und hat das Spiel, so komisch es sich anhört, im Angriff verloren. Hat Schalke ein Stürmerproblem? Bedingt. Es ist eher ein Sturmproblem.

Seit dem Weggang Raúls spielt Schalke in der Regel nicht einmal auf dem Papier mehr mit zwei Stürmern. Im Normalfall wurde seitdem Klaas-Jan Huntelaar als einsame Spitze aufgeboten, dem offensichtlich auch prompt die Räume fehlten, die ein wirbelnder Raúl schaffen konnte. Seine Torquote ging, auch mangels perfekter Chancenauswertung, in den Keller. Ein weiteres Problem eines Systems mit nur einem Stürmer: Die nominellen Sturmspitzen zwei und drei, in diesem Fall Marica und Pukki bekommen kaum Einsatzzeiten, und somit keine Spielpraxis, auch weil man bei einer Formschwäche Huntelaars, der ja immerhin amtierender Torschützenkönig ist, ständig mit einem platzenden Knoten seinerseits rechnet.

Zu Beginn seiner Amtszeit wollte Jens Keller das System dahingehend ändern, dass neben Huntelaar mit Marica ein zweiter echter Stürmer aufgeboten werden sollte. In den zwei oder drei Spielen, in denen man so startete, harmonierten die beiden leider nicht so recht miteinander. Ob man sich noch gefunden hätte, bleibt erst einmal spekulativ: Marica verletzte sich, Huntelaar blieb einzige Spitze. Und als sein Knoten mit zwei Toren in zwei Spielen endlich geplatzt zu sein schien, verletzte auch er sich unmittelbar.

Blieb Teemu Pukki. In der ersten Hälfte vom Galatasaray-Spiel konnte man ihn beinahe bemitleiden. Die mangelnde Spielpraxis, das fehlende Selbstvertrauen, die abhanden gekommene Unbekümmertheit waren beinahe zu greifen. Und wenn man mal ehrlich ist, sind seine Mitspieler keine wirkliche Hilfe gewesen. Fragte man sich in der kompletten vorangegangen Saison, warum man einen Ausnahmekopfballkönner wie Huntelaar nicht viel öfter per ordentlicher Flanke bediente, flogen Pukki in diesem einen Spiel gefühlte 50 Bälle um die Ohren. Das war kein Unvermögen, das war schlicht dumm. So konnte Pukki lediglich durch eine etwas bissigere Gangart in Durchgang zwei den Eindruck von ihm noch ein wenig retten.

Dachte ich zumindest. Doch anstatt ihm weitere Chancen, und damit wichtige Einsatzzeit zu gewähren, wurde gegen den Club mit Chinedu Obasi der nächste Spieler im Sturmzentrum erprobt. Mit ähnlichem Erfolg. Nur äußerst dürftig wurde er von seinen Hintermännern ins Spiel mit einbezogen, und kam er dann doch einmal, eher zufällig nach einem Pfostentreffer, in aussichtsreicher Position an den Ball, schloss er völlig überhastet ab. Mangelnde Spielpraxis, muss man da wohl mal wieder attestieren. Ich bin ja wirklich der letzte, der sich über einen ordentlichen Zug zum Tor bei den Mittelfeldspielern aufregt, jedoch sollte man vielleicht dabei nicht vergessen, die Stürmer ab und zu mal frei, und dann passend zu ihren Fähigkeiten, anzuspielen. Wenn ein Stürmer in der Luft hängt, liegt das nämlich oft nur bedingt an ihm. Natürlich ist es auch seine Aufgabe sich freizulaufen, doch dazu muss man auch die Zeit bekommen, sich erst einmal ins Spielsystem einfinden.

Zudem finde ich ehrlich gesagt auch die Diskussionen um die Schalker Stürmer müßig: Einen Stürmer, der Klaas-Jan Huntelaar im Zweifelsfall von einer auf die andere Sekunde annähernd ersetzt, es sich aber den Rest der Saison auf der Bank gemütlich macht, kann wohl außer dem FC Bayern in Deutschland niemand bezahlen. Und ein Nachwuchsspieler bringt sowas wohl auch tendenziell eher nicht auf die Reihe.

So wird das System mit einem Stürmer zu einem echten Dilemma. Man darf schon gespannt sein, wer sich als nächstes im Sturmzentrum versuchen darf. Immerhin ist wegen der Länderspielpause nun ein wenig Zeit, das Einbinden von Stürmern ins Spiel zu trainieren.

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4 Comments

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4 Responses to Im Sturmzentrum

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  2. Rjonathan

    Ich finde aber schon, dass man sich in der Vergangenheit um einen Beister oder Petersen hätte bemühen können.

    • Phil

      Hätte man vielleicht. Allerdings hätte Petersen wohl nicht den Fehler gemacht, sich nochmal in eine Situation zu bringen, in der er hinter einem gesetzten Stürmer auf der Bank versauert, und Beister macht, natürlich mit Ausnahme des Spieles gegen uns, auch nicht die beste Figur. Zuletzt fiel er durch akute Trainingsunlust und ’ne rote Karte auf…

  3. Klasse Beitrag, wie ich finde. Finde auch, die ewigen Kommentare, dass hätte man kommen sehen und eher reagieren müssen, müßig. Wie Du schon richtig sagst, welcher Ausnahmekönner setzt sich denn bei uns auf die Bank?!

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