Sommer 2012. Es läuft ein normales Rückspiel einer Betriebssportliga in Wuppertal. Naja, ganz normal nicht. Zu diesem Spiel gibt es eine Vorgeschichte1, die aber zum eigentlichen Verständnis der Begebenheit erst einmal irrelevant ist.
Kurz nach Beginn der zweiten Hälfte hatte sich der Spielertrainer meines Teams gerade selbst eingewechselt. Ich musste hingegen aus unerfindlichen Gründen weiter von der Seitenlinie zusehen, aber das ist ein anderes Thema. Während das Spiel so vor sich hin tröpfelte – ich kann mich ehrlich gesagt weder an Spielverlauf oder Ergebnis erinnern, aber wahrscheinlich lagen wir schon zurück – kam unser Trainer auf Höhe der Mittellinie in Ballbesitz und machte sich in die gegnerische Hälfte auf. Zeitgleich setze ein Stürmer des Gegners zum Vollsprint in seine Richtung an, um ihm mit voller Absicht von hinten in die Beine zu springen.
Die gesamte Bank wäre empört aufgesprungen, so wir denn überhaupt Sitzgelegenheiten gehabt hätten. Dennoch wurde laut und gestenreich die gerechte Strafe (oder gerne auch mehr) gefordert. Doch dann ging die eigentliche Aufregung erst wirklich los. Der Schiedsrichter hatte zwar mitbekommen, dass ein schlimmes Foul stattgefunden hatte, doch so ganz war er nicht im Bilde. Die schnell gezückte rote Karte wurde glatt dem falschen Spieler präsentiert, was nun noch zusätzliche Proteste des zu Unrecht Verurteilten nach sich zog. Der Mann in Schwarz bemerkte seinen Fehler, zögerte, zögerte und zögerte. An der Seitenlinie wurde der Protest wütender, lauter und lauter. Der Schiedsrichter, so schien es, hatte sich wieder gefangen. Er gab dem vorerst verwiesenen Spieler zu verstehen, nun doch weiterspielen zu dürfen, und suchte sich den Spieler, auf den sich die Wutausbrüche fokussierten. Dann der Griff zur Brusttasche: Nur Gelb!
Eine Entscheidung, welche die Situation, vor allem die an der Seitenlinie, natürlich alles andere als beruhigt hat. Auch die Behauptung des Schiedsrichters nach dem Spiel, während der kompletten 90 Minuten keine rote Karte in der Hand gehabt zu haben, führte bei allen Beteiligten zu Unverständnis.
Verständnis für Schiedsrichter, das ist sowieso ‘ne Sache für sich. Selten ist es groß, meist ist es nicht vorhanden. In erster Linie mag das an mangelnder Kommunikation und teilweise eigenwilligen Auftritten liegen. Oft liegt es sicher aber auch am Unwissen oder der Ignoranz Außenstehender. Diesem unbefriedigenden Zustand treten nun seit einer Weile Klaas Reese und Alex Feuerherdt im Rahmen ihres auf Fokus Fußball erscheinenden Podcasts “Collinas Erben” entgegen. Neben normaler Regelkunde bekommt man Einblicke in die Arbeit der Schiedsrichter auf dem Platz. Zudem werden regelmäßig tagesaktuelle Entscheidungen besprochen und bewertet. Zuletzt konnte man sogar Zeuge einer Informationsveranstaltung des DFB zum diesem Thema werden, die eigentlich Journalisten vorbehalten war.
Inzwischen gibt es vierzehn Episoden2, teils in Text, meist in Ton, die durch die Bank weg empfehlenswert sind. Es ist zwar nun nicht so, dass ich jede fragwürdige Schiedsrichterentscheidung bejubele, aber nach den Spielen hilft es durchaus, die andere Seite ein wenig zu kennen. Nur für den verwirrten Schiedsrichter aus unserem Spiel kann ich leider trotzdem kein Verständnis aufbringen. Und, nun ja: Für Markus Merk.
- Bei einem Kleinfeld-Turnier ein paar Wochen vorher wollte eben diese gegnerische Mannschaft unerlaubt einen Spieler einsetzen, der im gleichen Turnier schon für ein anderes Team gespielt hatte. Da unser Trainer bei Schiedsrichter & Turnierleitung dagegen protestierte, wurde der Spieler ausgeschlossen, woraufhin dieser “Konsequenzen” für das nächste Aufeinandertreffen ankündigte. ↩
- stellvertretend für alle Episoden ist hier die aktuelle Folge verlinkt. ↩

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