Rap-Musik und ich, das ist ‘ne schwierige Geschichte; Zwar nicht immer gewesen, aber in den letzten 10 Jahren standen wir bis auf wenige Ausnahmen auf Kriegsfuß. Vorherrschender Stil war billigster Gangster-Image-Rap à la Bushido, bei dem ich tatsächlich bis heute nicht verstehe, wie jemand, der auch nur ein bisschen was auf sich hält, sowas ernsthaft gut finden kann. Zum Glück hat sich das Blatt gewendet: Rap ist so offen wie vielleicht noch nie. Da passt ein Album, welches sich nur mit dem Thema “Schalke” befasst, ja im Grunde perfekt in die Zeit.
Die Kombination Musik & Fußball ist eine heikle Sache. Themen-Alben sind das ja sowieso. Man denke nur an dieses unsägliche Album einer Berliner “Punk”-Band, auf dem es nur um Haare ging. Schlimm. Zum Thema Fußball gab es aber bislang kaum Themen-Alben, eher einzelne Lieder oder Compilations, lediglich Sportfreunde Stiller haben sich einst an einem solchen Album versucht. Der Rahmen für so ein Projekt war mit der Weltmeisterschaft 2006 natürlich perfekt, und so lief das Album ziemlich erfolgreich. Aber ein ganzes Album über Schalke? Und dann auch noch Rap? Kann Schalke-Rap funktionieren?
Natürlich kann das funktionieren, wenn man denn bereit ist, sich darauf einzulassen, oder eben sowieso aus dieser Richtung kommt. Ob aber ein komplettes Album funktionieren kann? Ein schwieriges Unterfangen. Joel Hong geht die Sache auf seinem Album “Königsblau” mit einem Spagat an. Neben Liedern, die das “Schalker sein” im Allgemeinen thematisieren, sind auch immer wieder Stücke mit relativ tagesaktuellem Inhalt eingestreut.
In letzterem Punkt liegt in meinen Augen auch das, was Joel Hong von üblicher Schalker Musik abhebt. Themen, welche die Fanseele im hier und jetzt umtreiben, nimmt er auf und verarbeitet sie umgehend zu Musik. Sei es das von den Medien kolportierte Werben der Bayern um Benni Höwedes (Diesmal nicht), der beschämende Abgang des Manuel Neuer (Jetzt ist er weg) oder die erschütternde Krankheit Rudi Assauers (Unvergessen): Hong spricht vielen Schalkern aus der Seele, was man auch am Erfolg der Videos auf Youtube sehen kann.
Die zweite Säule des Albums sind Lieder, die man wohl gemeinhin als Schalker Folkore bezeichnen kann. Der eigene Fan-Werdegang, das Leben als Schalker, die Geschichte des Vereins, Lokalkolorit, all das wird in diesen Stücken behandelt. Anders als die tagesaktuellen Sachen, haben diese wohl auch die Chance, bei Teilen der Fans über einen deutlich längeren Zeitraum gehört zu werden. Andererseits wird “Wir schlugen Roda…” auch noch immer angestimmt. Vergessen wir diese Prognose also schnell wieder.
Als Einstimmung auf einen Spieltag sind weite Teile dieses Albums auf jeden Fall hervorragend geeignet. Da kann ich sogar darüber hinweg sehen, dass das Duell Yves gegen Ronaldo nicht, wie in Eurofighter 2.0 erwähnt wird, in der eigentlichen Eurofighter-Saison stattgefunden hat. Erwähnenswert ist es natürlich dennoch, gehört dieses Duell doch zu den großen Schalker Europapokalgeschichten.
Und wenn Schalke dann mal wieder das Nachsehen hat und der Bayerndusel zum Vorschein kommt, kann man sich mit “Kopfkino” zumindest ein bisschen davon ablenken. Das ist zwar – viele werden es bereits von Youtube kennen – ein wenig realitätsfern, aber kleine Träumereien werden zwischendurch wohl erlaubt sein.

“Joel Hong – Königsblau” steht seit heute in den Regalen der Plattenhändler und wartet nur darauf, von Euch gekauft zu werden.

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