Drei Trainerwechsel

Mit den ganz kurzfristigen Effekten von Trainerentlassungen beschäftige ich mich und euch ja hier mehr oder weniger regelmäßig. Wie die letzten Spielzeiten gezeigt haben, sollte eine Vereinsführung keinesfalls den schnellen Erfolg erwarten, denn in gerade mal einem Drittel der Fälle schafft ein Team nach Trainerentlassung einen Sieg.

Viel wichtiger ist ohnehin der langfristige Erfolg. Nehmen wir beispielsweise Hannover 96, die in einer ganz schlimmen Situation den Trainer wechselten, die Rettung in letzter Sekunde schafften und aus dieser Position innerhalb von anderthalb Jahren ins Viertelfinale der Europa League stürmten. Oder aktuell Mönchengladbach. Letzte Saison waren die Borussen mausetot, um dann auf einen Trainer zu setzen, bei dem viele glaubten, die Vereinsführung plane bereits für einen Neuaufbau in Liga 2. Eine Fehleinschätzung, die in dieser Saison mit der Berechtigung für die Champions League-Qualifikationsrunde und im Halbfinale des DFB-Pokals endete.

So sehen vermutlich die leuchtenden Musterbeispiele aus, die Vereinsführungen vor Augen haben, wenn ein Trainer seinen Hut nehmen muss. Auch in dieser Saison mussten wieder einige Trainer ihren Stuhl räumen, Interimstrainer waren im Einsatz, manch einer wechselte gar mehrfach den Trainer, oder konnte wochenlang keinen adäquaten Nachfolger präsentieren.

Natürlich ist das alles aber nicht planbar. So wie Trainerwechsel aus den unterschiedlichsten Gründen vonstattengehen, sind die Effekte von Fall zu Fall unterschiedlich. Nehmen wir die Freiburger: Da sie nach der letzten Saison ihren Trainer Richtung Leverkusen verloren hatten, sind sie mit Marcus Sorg in die aktuelle Saison gestartet; eine Personalentscheidung, die sich zum einen nicht als ideal herausstellte, zum anderen wohl auch nicht die erste Wahl gewesen ist. Mit nur 13 Punkten beendete man die Hinrunde. Auf eine komplette Saison hochgerechnet ist das natürlich viel zu wenig.

Die Hertha hingegen schafft mit Markus Babbel den direkt Wiederaufstieg und steht nach 17 von 34 Spielen mit der Hälfte der zum Klassenerhalt nötigen Punkte da. Ziemlich gut für einen Aufsteiger. Dann beherrschten persönliche Querelen zwischen Trainer und Manager die Schlagzeilen. Gegenseitige Vorwürfe, keine Vertragsverlängerung, der Bruch. Seitdem konnte die Hertha nur noch 8 Punkte verbuchen. Freiburg hat mit neuem Trainer in der gleichen Zeit fantastische 27 Punkte geholt, und somit den Klassenerhalt vorzeitig gesichert

Saisonverlauf von Freiburg, Hertha & Schalke

Für Freiburg hat der Wechsel offenbar einen enormen Schub bedeutet, Hertha ist nach dem ersten Wechsel total eingebrochen, und auch der Wechsel zu Otto Rehhagel konnte nicht wirklich was retten. Schauen wir nach Schalke, denn die stehen als drittes Beispiel für einen Trainerwechsel in meiner Grafik.

Keine sportlichen oder vereinspolitischen Gründe, nein, krankheitsbedingt musste Schalke kurzfristig und früh in der Saison den Trainer wechseln, der selbst erst kurz im Amt war. Bis zu diesem Punkt lief die Saison einigermaßen im Rahmen, doch plötzlich war der Trainer weg, von dem gerade die Fans sich einen erfrischenden Fußball erwartet hatten. Und wie verkraftet eine Mannschaft so einen unerwarteten Wechsel? Erstaunlicherweise hat sich dies, und der Umstand, mit Huub Stevens einen offenbar völlig anderen Trainer als Ersatz eingesetzt zu haben, überhaupt nicht auf die Erfolgskurve ausgewirkt. Die Punktausbeute in der Rückrunde war zwar etwas schlechter, was allerdings eher auf die vielen Spiele als auf den frühzeitigen Trainerwechsel zurückzuführen ist. Ob diese hohe Konstanz insgesamt mit dem teuren, qualitativ hochwertigen Kader begründet werden kann? Vermutlich. Vielleicht war auch ein bisschen Glück dabei? Vielleicht wäre mit Rangnick sogar mehr drin gewesen? Wir werden es nicht erfahren.

Für Schalke ist die Saison nun im Grunde gelaufen, für Hertha kann es, und das ist das eigentlich Erstaunliche nach dieser Rückrunde, tatsächlich Samstag noch einmal um alles gehen. Verdanken können sie das den 20 Punkten, die Markus Babbel in der Hinrunde mit der Mannschaft geholt hat. Der Spielplan schreibt halt manchmal komische Geschichten, spielt Hertha doch gegen die Mannschaft, die aktuell von Markus Babbel trainiert wird.

(Ja, eigentlich müsste die Überschrift mindestens “Vier Trainerwechsel” lauten, aber nun, da es mir auffällt, ist es zu spät.)


3 Comments

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3 Responses to Drei Trainerwechsel

  1. Carlito69

    Und was beweist uns das? Trainerwechsel kann klappen. Muss aber nicht! ;-)

    • Phil

      Genau.
      Und mit ein bisschen Pech, oder ein bisschen weniger Qualität hätte es bei uns auch schiefgehen können.

    • Vor allem, wenn man auch noch die Verletzungsmisere unserer Torleute dazu nimmt. Das wäre für den einen oder anderen Club sicherlich bedrohlicher ausgegangen.

      Da darf dann wirklich nicht mehr allzu viel mehr schief gehen…

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