13. Juli 2014, Rio de Janeiro – Spieltag! Das Spiel des Jahres – Finale der 20. FIFA-Weltmeisterschaftsendrunde zwischen Gastgeber Brasilien und den Niederlanden. Das Spiel ist bereits in vollem Gange, als Neymar nach feinem Doppelpass von seinem Mitspieler im Sechzehner frei auf Maarten Stekelenburg geschickt wird. Ein Blick, ein Trick, und Rio tobt. Drei Sekunden, vier Sekunden, fünf Sekunden Ekstase, dann stirbt der Jubel. Die Fahne!
Später – die Verlängerung läuft bereits, plätschert ein wenig daher, wie es nach einem langen Turnier in Verlängerungen halt so ist – kommt Robben auf der niederländischen rechten Seite in Ballbesitz und legt den Turbo ein. Ball am Fuß, geradeaus, Kopf unten, geradeaus, links, Kopf unten, geradeaus, Schuss. Ein Strich, zwei verspätete Arme, ein Scheppern, der Ball schießt zu Boden, dann wieder ins Feld. Gebannte Blicke, ein kurzes Vibrieren am Bizeps, ein Pfiff, die WM ist entschieden.
Es ist wohl so weit: Die Torkamera kommt. Club-WM, Confed-Cup, wann auch immer, der Weg scheint geebnet. Man gibt dem Schiedsrichter also ein Hilfsmittel an die Hand, welches ihn in 99,99% der spielentscheidenden Szenen kein Stück weiter bringt. Ist denn aber eine Abseitsentscheidung nicht oftmals genauso eng, wie die Frage “Drin oder nicht drin?”? Bei wie vielen Ecken, Flanken und Steilpässen werden denn einhundertprozentige Torchancen auf Grundlage einer Millisekunden/Zentimeter-Entscheidung im Zweifel abgepfiffen?
Spielentscheidenden Szenen muss doch in jedem Fall die gleiche Priorität beigemessen werden. Wenn technische Mittel nicht gleichermaßen genutzt werden können, dann darf man doch bitte keine Ausnahmen machen.


Ich halte derlei Hilfsmittel für richtig, aber sehe auch genau diese Schwierigkeit… Ab wann wird eine Situation durch Videos auf dem Bildschirm unterstützt? Und ab welcher Liga? In der 3. Liga hat sicher nicht jeder Verein eine ausreichend ausgestattete Anzeigetafel im Stadion. Und was passiert, wenn das Tor dann nicht gegeben wird? Abstoß? Schiri-Ball? Schwierigschwierig. Es müssen klare und harte Definitionen her, sonst gibt es zu viele Diskussionen.
1. ich finde die Torkamera gut. Sie hat aber auch den Vorteil, dass eine Entscheidung höchstwahrscheinlich sehr schnell getroffen werden kann.
2. ich finde es auch falsch, dass hier differenziert wird z.b. gegenüber der Entscheidung ob es Abseits war, oder eben nicht. Sehe hier aber
3. die gleichen Probleme wie Benjamin. Wobei man die sicherlich auch schon bei der Torkamera so hat.
Schwieriges Thema…
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich einfach weiterhin über menschliche Fehlentscheidungen aufregen möchte, weil sie einfach Teil des Fußballs sind.
Andererseits bietet so eine Torkamera doch Platz für ganz neue Verschwörungstheorien:
“Die Bayern haben die Firma bestochen, die die Torkameras wartet!”
Das Argument, eine Tor-Kamera könne nicht bis hinunter zur 3. Liga eingeführt werden, oder sogar noch weiter herunter, darf kein Hindernisgrund sein. Es gibt etliche Sportarten, die auf Profiebene mit völlig anderen technischen Voraussetzungen gespielt und überwacht werden, als im Breitensport.
Ein technisches Hilfsmittel für “Tor oder kein Tor” finde ich gut. Es würde den Spielfluss nicht unterbrechen. Die Mannschaften spielen einfach weiter und wenn der Schiedsrichter das Signal erhält, pfeift er eben Tor. Das ganze wird maximal zu ein paar Sekunden “Leerlauf-Spiel” führen.
Anders verhält es sich beim Abseits. Hier weiß ich nicht, ob man das Spiel “auf Bewährung” weiterlaufen lassen kann. Ein paar Sekunden können gleichbedeutend sein mit einem überflüssigen 60-Meter-Sprint in der 85. Minute. Auch bei Fouls und/oder 11Meter bin ich klar gegen technische Hilfsmittel, da hier auch immer eine menschliche, schauspielerische Komponente hinzukommt. Wie oft hat man in Interviews auf die Frage “War es ein 11Meter?” die Antwort gehört: “Ich meine schon, dass ich getroffen wurde, aber ich muss mir die Szene nochmal im Fernsehen anschauen” gehört? Mittlerweile nach jedem zweiten 11Meter! Hier sollte man dem Schiedsrichtern die alleinige Entscheidungskompetenz lassen.
Aber bei so einfachen Fragen wie “War der Ball vor oder hinter der Linie?” finde ich nichts schlimmes dabei, die Technik zu nutzen.
BTW: Es kommt auch heute schon oft genug vor, dass ein Tor mit ein paar Sekunden Verspätung gegeben wird. Immer dann, wenn der Linienrichter seinen Schiedsrichter bei der Entscheidung helfen muss. So war’s ja sogar im 66er WM-Finale bereits.
Die Torkamera wäre für mich eines der wenigen Hilfsmittel, die ich akzeptieren würde. Wie oben schon beschrieben – ein vibrieren und der Schiedsrichter gibt Tor ansonsten läuft alles weiter. Sieht sicher gut aus wenn alle aufhören zu spielen und den Schiri anstarren.
Strikt gegen, bin ich beim Videobeweis. Eine Begutachtung wie beim Eishockey, finde ich schrecklich, das ganze Spiel wird dadurch unterbrochen. Besonders wie oft und in welchen Situationen dürfte man sich das ansehen.
Fehlentscheidungen gehören zum Sport auch wenn sie mittlerweile teuer werden können.