Wie ein Erdhaufen Tim Wiese verschonte

Hatte ich in den Kommentaren unter dem letzten Eintrag noch versprochen, zum nächsten Spiel wieder ausführlicher zu bloggen, ging das natürlich direkt vollends in die Hose. Nichts vor dem Spiel, nichts nach dem Spiel, nichts vor dem Spiel. Schwache Leistung, was?

Ich will das auch gar nicht beschönigen oder irgendwie entschuldigen, aber ich bin ein wenig krank gewesen. Viel sag’ ich da auch jetzt gar nicht mehr zu, außer: Ich bin im Grunde vier verdammte Tage beinahe völlig blind gewesen! Aber lassen wir die Hysterie beiseite. Ich Wahrheit war also nur halb blind. Im Dunkeln konnte ich also Dinge die selbst kein Licht abstrahlten mit einem Auge einigermaßen erkennen. Also die Umrisse. Unscharf. Wahnsinn, oder? Keine Voraussetzungen, ein Spiel zu sehen, geschweige denn am Computer einen Text dazu zu verfassen. Zwangspause unausweichlich.

Das erzähl’ ich, nebenbei gesagt, übrigens nicht um hier irgendwie Mitleid zu erregen, nein. Vielmehr hab’ ich gesehen, dass dennoch die ganze Woche gleichbleibend Leute hier vorbeigeschaut haben, um womöglich den ein oder anderen Text zu lesen. Da muss ich mich dann auch mal für’s stetige Besuchen und Lesen bedanken. Danke! Und wer sich zusätzlich noch gefragt haben mag, was denn da bei mir los sei, dessen Neugier ist nun damit auch weitestgehend gestillt. Ein bisschen Mitleid bringt mich aber dennoch nicht um…

In der Nacht von Freitag auf Samstag zeigten die mir ärztlich verordneten Drogen dann endlich eine erste erkennbare Wirkung. Ist das Tageslicht, welches ich da hinter der Jalousie erahnen kann? Aber wen interessiert Tageslicht? An ‘nem Spieltag? Mit Abendspiel? Vielleicht sind Handy, Laptop und TV ja auch wieder einigermaßen verträglich? Jeppa!

Trotzdem: Ruhig bleiben, nicht überanstrengen, für die ruhige “mit Laptop auf dem Schoß zu Hause das Spiel gucken” – Variante entscheiden. Ganz ohne Anstrengung, ne? Ich nehme wohl nichts vorweg, wenn ich jetzt sage, dass sich die Anspannung während des Spiels eher in Grenzen hielt. Ob es an der Pause gelegen hat, die beinahe allen Stammkräften vom Trainerteam verordnet wurde? Ob es daran lag, dass Jurado sich gegen einen vermeintlich schwachen Gegner unter der Woche austoben durfte, um besser in Rhythmus zu kommen? Falsch waren beide Entscheidungen offenbar nicht. Die Mannschaft zeigte sich erstaunlich frisch,  überlegen, souverän.

Jurado, neulich hier noch sehr kritisiert, spielte wirklich stark verbessert. Schneller, durchsetzungsfähiger, zielstrebiger und mit einer wunderbaren Vorlage auf den wahnsinnigen Griechen. Der spanische Mittelfeldakteur muss nun endlich einmal ein dickes Ausrufezeichen unter eine tolle Leistung setzen. Das wäre unmittelbar vor der Winterpause sicherlich für beide Seiten versöhnlich.

Nebenbei: Weiß jemand, wie es der Eckfahne geht, die Papadopoulos nach seinem Tor vorgenommen hat? Genesungswünsche dürfen von mir ausgerichtet werden!

Ansonsten gab’s für mich echt massig Highlights in diesem Spiel. Da wären die grandiosen Pässe von Fuchs und Höger jeweils vor den Toren (2:0 & 5:0). Raúl, wie am Schnürchen von beinahe der Mittellinie bis an den Elfmeterpunkt gezogen (4:0), Pukki, wenn ihm auch manchmal noch die Übersicht fehlt, und Wieses “in den Fuß-Vorlage” zum Führungstreffer.

Die potentiell lustigste Szene ist aber leider gar keine richtige Szene geworden: In der 11. Minute hat Pukki eine Jurado Flanke nur knapp am Pfosten vorbeigeköpft. Noch knapper wurde das Ding, weil der Erdhaufen vor dem Bremer Tor den Ball leicht abgelenkt hatte. Beim Stand von 5:0 hätte die Nummer sicher besser funktioniert, wäre aber gegenüber Tim Wiese nun wirklich gemein gewesen.

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7 Comments

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7 Responses to Wie ein Erdhaufen Tim Wiese verschonte

  1. MAGsein

    Gegen Bremen zu gewinnen, bereitet mir stets besonders gute Laune. Ihr Spiel erinnerte ein wenig an mittelprächtige Auftritte unsererseits: Schlechte hohe Flanken einfach mal vorne rein ballern. Hätten die Bremer, wie phasenweise in HZ1, sich nach der Pause aufs Flach- und Kurzpassspiel verlegt und Pizza vermehrt den Wirbelturbo eingeschaltet… Das war meine Sorge. Sie taten es aber nicht. Mit dem Eindruck einer solch grandiosen Leistung lässt sich das Winterpausenloch prima aushalten. Sowohl die spanische Schlaftablette als auch unser österreichischer Linksaußen, beide auch von mir reichlich kritisiert, machten ihre Sache großartig. Und Pukki macht sowieso Partylaune; wenn er jetzt noch weniger Fehlpässe produziert, wird daraus ein großes Fest! Und ehrlich: Dass sich Blondlöckchen so schnell so gut ins Team einfindet, hätte ich am allerwenigsten gedacht.

  2. Schöner Bericht! Hoffe es geht wieder gut, muss es ja anscheinend, denn schließlich bist Du ja Mittwoch auch in Gladbach… ;-)

  3. Der Don

    Tja, das Pfefferspray von der Polizei ist halt nicht zu unterschätzen…;)

  4. KatharinaIda

    Ah watt für´n scheiß mit die Augen!!! Gute Besserung und ich drücke dir die Daumen für Mittwoch!

    Sehr schöner Blogeintrag!

    Vor dem 1:0 hätte es ja eigentlich schon 3:0 stehen müssen, ich denke mal, dass sich der Herr Wiese da bei unsern Schalkern bedanken darf. Das und das Rausnehmen des Tempos waren seine Geburtstagsgeschenke vom S04

  5. @Phil:

    Besser zumindest. Morgen hol’ ich mir beim Doc das OK für Gladbach. ;-)

    Schön zu hören! :-)

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