Schwelm, Schalke und die Niederlande

Hier geht es nicht um mein Lieblingsstück, es geht um das einzig Erwähnenswerte. Dass ich einen großen Berg an Schalke-Utensilien hab’, sollte ja klar sein. Jede Menge Menge Trikots, das Aktuellste ist mir meist das Liebste, ein paar Knappenkarten, die mit der letzten Meistermannschaft werde ich niemals hergeben, Mutters gestrickter Balkenschal, mein Nerdkurven-Shirt. Find’ ich alles toll. Ist aber irgendwie nicht besonders, weil: Hat ja jeder.

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1978 bestritt Rolf Rüssmann im Alter von 27 Jahren sein erstes und einziges großes Turnier als Nationalspieler – die Weltmeisterschaft in Argentinien. Da er ein paar Jahre zuvor in den Bundesliga-Skandal verwickelt gewesen war, fielen die vorherigen Turnier für ihn flach. Lediglich auf 20 Länderspiele hat er es in seiner Karriere gebracht. Nachdem er ursprünglich 1972 bereits zum ersten Mal nominiert gewesen war, hätten es viele mehr werden können. Nun ja.

Rolf Rüssmann hat das Fußballspielen in meiner Heimatstadt gelernt, bei “Nullsechs”, oder korrekt FC Schwelm 06. Der Verein existiert heute nicht mehr, nachdem er vor einigen Jahren mit Grüß Weiß Schwelm im VfB Schwelm aufgegangen ist, aber das nur am Rande. Im gleichen Verein hat auch mein Vater einst gespielt, teilweise zur gleichen Zeit, jedoch einige Altersklassen darunter. Ob er fußballerisch limitierter als Rüssmann war, kann ich nicht sagen. Vielleicht waren einfach die richtigen Spielerbeobachter nie vor Ort, falls es die damals schon gab’. Ganz sicher war es so. Auf jeden Fall hatte mein Vater das Glück, bereits bei Schwelm zu spielen, als Rüssmann von dort zum großen FC Schalke 04 wechselte. Im Zuge des Wechsels machte der Neu-Schalker ein Freundschaftsspiel unter Schwelmer und Schalker Jugendmannschaften in der damals noch als Schalker Spielstätte fungierenden “Kampfbahn Glückauf” möglich. Das Ganze fand vor einem Bundesligaspiel statt, wie es auch zu Parkstadion-Zeiten noch lange üblich war. Für die Kleinen sicherlich eine ganz große Nummer.

Zurück zu Rüssmanns Karriere im DFB-Dress: In seinen zwei Jahren konnte er nur 20 Spiele absolvieren. Ein paar davon waren allerdings Spiele einer WM-Endrunde, die ja längst auch nicht jeder Nationalspieler erreicht. Auf die Schmach von Cordoba hätte er aber mit Sicherheit liebend gerne verzichtet. Mir geht es hier aber um ein Spiel, welches drei Tage vor dem deutschen WM-Abschied stattfand: Die Neuauflage des letzten WM-Finales, Deutschland gegen die Niederlande. Deutschland hätte dieses Spiel gewinnen müssen, brachte aber die zweimalige Führung auch nicht mit Hilfe eines spektakulären Rettungsversuches Rüssmanns mit der Hand auf der Torlinie über die Zeit. 2:2, Unentschieden. Nach dem Spiel wurden teilweise die Trikots getauscht, Rolf Rüssmann und Ruud Krol, der niederländische Kapitän, waren wohl nicht dabei. Sie scheinen ihre Shirts auf dem Weg zur Kabine noch zu tragen, so kann man es zumindest auf dem Video unten sehen.

Später haben sie dann aber wohl doch noch getauscht, denn der Schwelmer kam mit einem Hollandtrikot mit der Rückennummer 5 aus Argentinien zurück. Über ominöse Wege und verschwiegene Untergrundkanäle (man weiß es halt nicht so ganz genau…) ist das Teil dann bei meinem Vater gelandet. Vermutlich wollte einfach sonst niemand im Verein mit einem Oranje-Trikot durch die Gegend laufen, oder gar damit trainieren.

Nun hängt das Teil bei mir im Schrank. Ein oder zweimal hatte ich es tatsächlich zum Fußballspielen an, musste aber erkennen, dass in den 70ern nicht die angenehmsten Trikots genäht wurden. Lange Ärmel sind auch nicht so meins. Zu anderen Anlässen kann man es auch nicht wirklich tragen. Vielleicht noch um die Nähe zum Hünter, zu Huub, die Verbundenheit von Schalke und Holland zu unterstreichen. Ich weiß nicht…

Also bleibt es im Schrank. In Ehren.

Ihr habt’s natürlich bereits erkannt: Thematisch ist der Text in diese Reihe einzuordnen.

Hier nun noch das Video zu besagtem Spiel:

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12 Comments

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12 Responses to Schwelm, Schalke und die Niederlande

  1. Wow! Ganz tolle Geschichte, noch tolleres Trikot. Und dass Rolf Rüssmann aus Schwelm stammt, wusste ich bis heute auch nicht. Wieder was gelernt. Ich würde mir das gute Stück ja irgendwie rahmen lassen.

  2. Pingback: Stöckchen-Versuch: Mein Lieblingsstück | Stadioncheck.de

  3. Eine sehr schöne, mysteriöse Geschichte zu einem wirklich außergewöhnlichen Erinnerungsstück. Was genau sind denn eigentlich “verschwiegene Untergrunkanäle”? Schwelmer Beschaffungsmafia? ;-)

    Bei gerahmten Trikots finde ich es immer schade, dass man nur eine Seite sieht. In deinem Fall (da kein Name sondern nur eine Nummer auf dem Rücken) würde ich aber die Vorderseite nehmen und ein Foto der Rückseite ebenfalls in den Rahmen stecken. Oder du besorgst dir zwei Plexiglasscheiben und rahmst es so, dass man es bei Bedarf wenden kann.

    • Phil

      “Was genau sind denn eigentlich “verschwiegene Untergrunkanäle”? Schwelmer Beschaffungsmafia?”

      Ja genau.

      Über diese Rahmensache muss ich mir echt mal Gedanken machen. Gibt ja sicherlich auch irgendwo einen Trikot-Sammler-Blog. Muss mich da mal nach Tipps umsehen. :-)

  4. Ich klick ja täglich mehrfach – bringt das was?
    Bau doch mal so nen altschul-Besucherzähler ein, dann seh ich wie oft ich noch klicken muss.

    • Phil

      Haha, ja genau, ein Besucherzähler, das wär’s.
      Eigentlich bin ich ja mit den Besucherzahlen ganz zufrieden, nur am Freitag vor dem bundesligafreien Wochenende war irgendwie nichts los. Das fand’ ich schade. Aber inzwischen ist okay, und ich kann weitermachen… :-)

  5. Tim

    Gewinnt denn der 1000. Besucher irgendwas? Vielleicht das Trikot da auf den Bildern? Hm?

  6. Also in diesem konkreten Fall würde ich es so rahmen lassen, dass man die Rückseite sieht.

  7. 999, 1000! Und das war’s dann endlich!
    Kann weiter gehen!

  8. Bin durch den Beitrag des Trainers auf den des Stadionchecks und dann hier gelandet. Gute Geschichte. Noch besseres Lieblingsstück. Der Wahnsinn das Teil.

    Wenn du bei deiner Recherche zu einem wendbaren Bilderrahmen weitergekommen bist: sag bitte bescheid. Dabei zu bedenken ist nur immer, dass die Trikots ausbleichen könnten, wenn man beim Glas spart.

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