Ein schlimmes Erbe

Seit dieser Saison läuft auf Sky vor dem samstäglichen TopAbendspiel eine kleine Talkrunde, die unmittelbar auf dem jeweiligen Stadionrasen abgehalten wird. Tatsächlich ist die übrigens überhaupt nicht so schlecht, wie man denken könnte. Zwei oder dreimal hab’ ich bisher reingeschaut, und war eigentlich immer angenehm überrascht. Da ging es tatsächlich um Fußball. Nicht nur das: Es drehte sich sogar um die Vereine, die sich im Anschluss gegenüberstehen sollten. Da war nichts mit Haus & Hofberichterstattung für einzelne Vereine und es gab’ auch keine Neid & Missgunst  Debatten mit Udo Lattek. Oftmals drehte sich das Gespräch tatsächlich um das Geschehen auf dem Platz. Erstaunlich für eine Fußballsendung hierzulande. Aber doch sehr angenehm.

Einen klitzekleinen Haken hat das Konzept dann aber doch: Es sind immer die gleichen Menschen zu Gast. Hier geht Sky auf Nummer sicher. Anstatt im überschaubaren Schwimmbecken der sogenannten Experten auch mal den ein oder anderen Dampfplauderer zu angeln, hat man sich auf drei Gesprächspartner festgelegt. Steffen Freund, Jan Åge Fjørtoft und einen Mann, der uns ein schlimmes, schlimmes Erbe nach seiner Karriere hinterlassen hat. Ein ganz Schlimmes. Das verfolgt den Profisport bis heute, ach was, mit Sicherheit noch auf Jahrzehnte. Bei dem Mann handelt es sich natürlich um Markus Merk. Bei seinem Erbe handelt es sich um ein schlimmes. Das sagte ich schon? Ach…

Der Sport hat sich verändert mit Markus Merk. Seit seinem Wirken gibt es für sympathische Teams oder Sportler, sowie die unglücklich Unterlegenen keine zweiten oder dritten Plätze mehr. Selbst die Vierten fallen manchmal weg! Guckt euch die DFB-Elf an: 2006 waren die nicht Dritter, 2010 schon mal gar nicht. Und das sind nur zwei Beispiele. Bei der EM 2008 sollen sogar die Türken gar keinen richtigen Platz im Ranking belegt haben, und selbst der BVB hatte diesen seltsamen Titel kurz inne, bevor die dann ernst gemacht haben. Vielleicht haben sie ihn danach auch noch behalten. Das weiß ich nicht. Die Rede ist natürlich vom “(Welt/Europa) Meister der Herzen”. Das nervt. Lasst die Mannschaften doch verlieren. Lasst sie Dritter werden. Vermutlich überleben sie es. Nicht, dass Markus Merk diesen Begriff erfunden hat, nur hat er den Weg seines Triumphzuges erheblich geebnet. Dieses “Meister der Herzen Gewäsch” geht in meinen Augen schlicht auf seine Rechnung. Da lass’ ich auch gewiss nicht mit mir reden.

Nun kommt der Mann zwangsläufig am Samstag zum ersten Mal in unsere Arena. Kurz hatte ich überlegt ein Laken zu bemalen, auf dem dann steht, wie böse ich auf ihn bin, wegen dieser Sache. Hätte aber sicherlich blöd ausgesehen, weil ich gar nicht malen kann. Schreiben schon, aber so ein Plakat hat ja auch immer was mit Kunst zu tun. Ich könnte auch den Text hier ausdrucken, und versuchen ihn per Papierflieger auf seinem Tisch landen zu lassen. Schaffe ich aber vielleicht nicht. Ihn auspfeifen fällt auf Grund mangelnder Fähigkeiten auch flach. Ob ich laut genug rufen kann? Mal sehen. Vielleicht versteht er nicht, was ich von ihm will.

Im Grunde wäre ich ja schon froh, wenn man dem Sport die Ränge 2-4 zurückgeben könnte. Aber das liegt ja sicher eh nicht mehr in seiner Macht.

Und übrigens: Markus Merk ist Mitglied beim 1. FC Kaiserslautern. Vielleicht reicht es mir auch vorerst, wenn er traurig nach Hause fahren muss…

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6 Comments

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6 Responses to Ein schlimmes Erbe

  1. OnkelJK

    Der Merk ist unschuldig, laßt den in Ruhe. Der Hoeneß, der war’s! Der hat schon vor mehr als dreißig Jahren seine Seele verkauft.

    Geht ja gar nich anders…

  2. MAGsein

    MM – der alte Herzensbrecher.

  3. tomba

    nachwievor kommt mir beim gedanken an diese eine szene die bullengalle hoch. es schmerzt bei jedem spiel das ich gucke wie harmlose kopfballrückgaben nicht als rückpass gewertet werden obwohl der nächste gegnerische spieler 15 m entfernt steht.
    zweimal habe ich diese szene gesehen: einmal abends bei ran, dann nochmal am folgenden morgen im dopa. ich kann in lichtgeschwindigkeit oder noch schneller reagieren wenn das thema mal wieder von irgendwelchen witzbolden in den landesweiten medien wieder aus den archiven rausgekramt wird und es darum geht den sender wegzuschalten.

    entschuldigt trotzdem nicht dafür diesen mann mit billardkugeln oder dergleichen zu bewerfen.

    • Phil

      Nein, tut es wirklich nicht.
      Wie oft ich die Szene nun gesehen habe, weiß ich gar nicht. Vielleicht nur das eine Mal auf der Parkstadion-Anzeigetafel? Mir kommt es so vor, als hätte ich sie tausendmal gesehen. Allerdings weiß ich genau, dass ich auch eigentlich jede Woche, wenn Sport1 sie wieder hervorholt, direkt umschalte.

    • Ja, auch bei mir schmerzt die Erinnerung daran nach wie vor unverändert stark…

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