Rückwärtsgang. Oder Leerlauf.

Aus der Reihe: Wie man es nicht macht.

Dass man in einem Spiel, in dem man vollends überlegen ist, das Tempo macht, und den Gegner kaum zum Atmen kommen lässt, auch vielleicht ab und an mal das Tempo rausnehmen muss, ist klar. Schalke hat heute bewiesen, diese Nummer (noch) nicht im Repertoire zu haben. Entweder “totale Dominanz”, oder totale Passivität. Man hatte das Gefühl, nach dem wunderbaren Führungstreffer wolle die Mannschaft halt mal sehen, was Wolfsburg so zu bieten hat. Genug, wie sich schnell zeigte.

Einmal die Zügel aus der Hand gegeben, bekommt man sie natürlich auch nicht mehr zu greifen. (Irgendwelche Reiter zugegen, die das Bildnis aus erster Hand bestätigen können?) Dann kommt man den Schritt zu spät, den man vorher früher da war, bekommt die zweiten Bälle nicht mehr und gerät insgesamt einfach ständig ins Hintertreffen. Sinnbildlich dafür stand erneut Christian Fuchs. Hat er doch das Wort “Verteidigung” als Linksverteidiger quasi in seiner genaueren Berufsbezeichnung stehen, lässt er sich seit Saisonbeginn eher vom Oberbegriff “Spieler” leiten. Viel Offensive, wenig Kampf hinten. Ich weiß nicht, ob mich da vielleicht in der letzten Saison das Mainzer Spiel geblendet hat, aber so langsam glaube ich, Fuchs ist dort nur so stark gewesen, weil er hinten durch die Offensivpower der Mainzer einfach zu wenig gefordert war, beziehungsweise seine Gegenspieler, durch eigenen Drang in die Spitze, gebunden hat.

Beim Ausgleich sah er auf jeden Fall mal wieder sehr schlecht in einer Eins-gegen-Eins Situation aus. Der Stürmer schmeißt – wie es in der Natur der Sache liegt – im Fünf-Meter-Raum alles was er hat in den Ball,  und Fuchs geht irgendwie halbherzig mit dem Fuß dahin. Schon wieder. Aber das ist ja nicht alles. Die ganze Mannschaft hat nach dem Führungstreffer vom 5. oder 6. (wie viele Gänge hat so ein modernes Auto, vom Vettel Zum Beispiel, eigentlich?) in den Rückwartsgang geschaltet. Oder Leerlauf. Noch ein, zwei Chancen, nichts Zwingendes und dieser unheimlich dämliche Ausgleich.

Am Ende überstrahlen viele schlechte Minuten ein paar sehr gute Momente und Aktionen. Mit ein wenig mehr Beherrschung hätte man den Gegner schlicht in die Tasche gesteckt, was zwar im Nachhinein kein Trost ist, mir aber auf jeden Fall Hoffnung für die nächsten Spiele gibt.

TumblrEmailPrintTeilen

11 Comments

Filed under Blog

11 Responses to Rückwärtsgang. Oder Leerlauf.

  1. Ich finde Fuchs steht auch sinnbildlich für das schalker Spiel. Vorne Hui, hinten Pfui. Die gesamte Defensive wirkt Spiel um Spiel irgendwie unsortiert, selbst bei dem Spiel zu null gegen Gladbach gab es doch schon die ein oder andere Situation, in der Höwedes und Co das nachsehen hatten. Hoffentlich recht sich das nicht, frei nach dem Motto: “Die beste Offensive gewinnt das Spiel, die beste Defensive die Meisterschaft.”

  2. Phil

    Okay, ich hoffe die “Meisterschaft” steht bei dir nur sinnbildlich für den Erfolg. Aber im Grunde hast du recht, wobei ich die restliche Abwehr heute nicht so schlecht gesehen habe.

  3. Christian

    Mir persönlich war / ist es völlig schleierhaft, wie unser Trainer in
    so einem zweikampfbetonten Spiel einen Jurado einwechseln kann ??
    Der stand kaum auf dem Platz verlor gleich 2 Zweikämpfe und
    verursachte den Freistoss.
    Zusammenfassung: Erst war die Mannschaft schwach, dann hat der
    Trainer schwach nachgelegt.

    • Phil

      Das war wohl ganz klarer Fall von “reagieren müssen”. Die Mittelfeldspieler haben ja im Grunde nicht mehr stattgefunden, also hat er das gemacht, was er tun muss: Die einzigen beiden Alternativen für’s Mittelfeld eingewechselt.

  4. MAGsein

    Zu Fuchs: Vor Saisonbeginn habe ich an anderer Stelle meine Zweifel an Fuchs’ Verpflichtung geäußert. Zugegeben, die Begründung, bei Bochum war es in einer schwachen Mannschaft nicht schwer, positiv hervorzustechen, bei Mainz hingegen habe er in einem insgesamt stark aufspielendem Team gewirkt, was ihn auch nicht im Speziellen auszeichnet, klingt saudoof und widersprüchlich, aber ich konnte es nicht besser beschreiben, mein Bauchgefühl. Die Euphorie um Fuchs erinnert mich ein wenig an den kurzen Hype um Brouwers von Gladbach, der eine Saison stark auffiel, weil er ungewöhnlich viele Tore gemacht hat, was ihn plötzlich in aller Augen zum starken AW-Spieler machte, was einfach nicht stimmte (er profitierte immer schon auch von seinem starken IV-Partner Dante, den ich mir heimlich für uns gewünscht habe ;-)).

    Fuchs’ guter Ruf hat sehr viel mit seinen Freistößen und seinen flotten Linienläufen zu tun, da sag ich nichts Neues. Doch seine Flanken sind noch nie die besten gewesen, zur Zeit sind sie hundsmisrablig (gestern kam in HZ 2 eine ewig lange bei Hunter an, die der Kommentator auf LT! umjubelte, von der ich aber nicht weiß, ob er sie so wollte). Kurz und gut: Ich halte Fuchs für überschätzt, besser gesagt, die Erwartungshaltung an ihn war falsch. Die Hoffnung habe ich dennoch nicht aufgegeben, dass er einen Weg zu mehr Konstanz und soliden Defensivleistungen finden kann. Mache mir aber trotzdem Sorgen um das Spiel gegen die Bayern, deren bisherige Leistungen gegen schwache Teams ich nicht überbewerten möchte, deren Offensivkräfte jedoch Fuchs bereits im Länderspiel schwindlig gespielt haben.

    Ich möchte hier Fuchs nicht für das gestern verlorene Spiel allein verantwortlich machen, da haben alle mitgewirkt.

    • Phil

      Ich glaube, das ist eine sehr treffende Analyse. Wenn ich mich einmal damit abgefunden hab’, dass der Fuchser eher vom Typ “Pander” ist, muss ich mich auch nicht mehr so aufregen. Den Pander wollte ich ja auch gerne “wieder haben”, und mal ehrlich: Defensiv war der auch keine Granate…

  5. Rückwärtsgang oder Leerlauf? Ich nehm den Leerlauf, da hast du zumindest noch Chancen nach vorne zu kommen, wenn dich jemand schiebt. Probier das mal im Rückwärtsgang.

    • Phil

      Das bezog sich ja nicht auf die allgemeine Situation, sondern auf das Spiel. Da hätte sicherlich am Ende auch kein noch so engagiertes Anschieben mehr geholfen…

  6. Sag das nicht. Der Rangnick hat mit den wechseln ja auch nicht “angeschoben”, eher noch Steine in den Weg gelegt. Zur Saison passt es auch.
    Gegen Stuttgart gabs kein vorankommen. Dann wurde die Handbremse gelöst und man kam ins Rollen. Brauchte aber immer mal wieder nen Schupser (1. und 2. Halbzeit immer unterschiedlich). Wenn wir jetzt nur Bremse mit Kupplung oder Gas verwechselt haben, dann ist alles ok. Wieder anlassen und ab geht’s.

    • Phil

      Für ein Bild, das mir gestern nach 1/4 Kiste Veltins in den Sinn kam, interpretierst du da aber ganz schön viel hinein, find’ ich. :-D

  7. Ja, die Balance zwischen Angriff und Verteidigung, insbesondere beim auch mal den Gegner kommen lassen, passt noch nicht so wirklich. Aber das wird schon noch werden, da bin ich optimistisch… :-)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.