Sergej Karimow, Gestaltpsychologie und der Señor

Der große Tag rückt näher. Tag X. Der Tag. Das Spiel, welches über eine ganze Saison entscheidet. Dass auch bei unseren Gegnern so langsam die Spannung steigt, merkt man, wenn man das Zebrastreifenblog von Kees Jaratz verfolgt.

Um nun diesem bevorstehenden, für beide Vereine samt Anhängern zweifelsohne großen Ereignis mit gutem Beispiel voranzugehen, haben Kees Jaratz und ich uns überlegt, für einen gemeinsamen Beitrag jeweils 11 Gründe zu finden, warum gerade das eigene Team am Samstagabend den güldenen Pokal in den Berliner Abendhimmel recken wird. Natürlich überlasse ich dem Gast, wie auch im Spiel am Samstag, den Heimvorteil und somit den Vortritt. 

Der MSV Duisburg gewinnt das DFB-Pokalfinale, weil …

  1. die Spielstärken der einzelnen Spieler gegenüber zu stellen eine sehr theoretische Angelegenheit ist. Das unvorhersehbare Ereignis macht den Außenseiter immer stärker als den Favoriten.
  2. Bruno Hübner schon vor Saisonende den Defensivspieler vom VfL Wolfsburg Sergej Karimow verpflichtet hat und dessen Schalke-Bezwinger-Mentalität bereits in den Kader einsickern konnte. Am 30. Januar 2008 spielte Karimov in seinem ersten Pokalspiel für den VfL Wolfsburg gegen den FC Schalke 04 und erzielte den 1:1-Ausgleichstreffer Sekunden vor dem Abpfiff. Und es war Karimov, der beim Elfmeterschießen das entscheidende fünfte Tor schoss.
  3. auf der Liste der höchsten Niederlagen des FC Schalke 04 im Pokalwettbewerb als erstes Spiel die 6:0-Niederlage gegen den MSV Duisburg am 19. 2. 1966 steht. Im Pokalwettbewerb ist die Bilanz des MSV Duisburg gegen den FC Schalke 04 seitdem sensationell. In insgesamt einem Spiel gab es einen Sieg, kein Unentschieden und keine Niederlage. Der Sieg gegen den FC Schalke 04 war für den MSV Duisburg ein Erstrunden-Sieg in jenem DFB-Pokalwettbewerb, in dem der Verein das Endspiel zum ersten Mal erreichte. (Siehe auch unter Punkt 8 zum Thema Gestaltpsychologie.)
  4. die letzte Finalteilnahme 1998 ermöglichte der Sieg gegen Eintracht Trier. Mit dem Sieg gegen Eintracht Trier bezwang der MSV Duisburg jene Mannschaft, die zuvor den FC Schalke 04 und Borussia Dortmund aus dem Pokal geworfen hat. Der vorweggenommene Ruhrpott-Pokalsieg muss endlich mit einem Pokal belohnt werden.
  5. die Designer von Adidas auch beim Entwurf vom Einmal-Auswärtstrikot Ultra Beauty an die “großen Erfolge” vom FC Schalke 04 in den 80ern wie Abstiege und Niederlagenserien gedacht haben.
  6. weil im Kölner Stadt-Anzeiger auf Fotos zu Jugendspielen des 1. FC Köln seit ein paar Wochen immer nur Spieler des MSV Duisburg auftauchen, auch wenn die Gegner FC Schalke 04 oder Rot-Weiß Ahlen heißen. Wenn schon die Kölner glauben, die Spieler vom MSV Duisburg seien überall, wie wird es erst den Schalker Spielern ergehen?
  7. auf sechs Niederlagen in Pflichtspielen unweigerlich die siebte Niederlage folgen wird. Die sechs spielt im Gegensatz zur sieben in den Mythen unserer Welt nämlich keine Rolle. Sieben auf einen Streich. Die sieben Weltwunder. Die sieben Zwerge. Sieben-Meilen-Stiefel und so fort.
  8. Gesetze der Gestaltpsychologie wirken, und der Mensch Vollkommenheit in der Form sucht. Eine Saison, die wie beim FC Schalke 04 für einen Verein schlecht begonnen hat, wird schlecht enden. Eine Saison, die wie beim MSV Duisburg gut begonnen hat, wird gut enden.
  9. der Duisburger Autokorso im Gegensatz zum Gelsenkirchener nach einem Pokalsieg die Ruhrgebietsidentät voranbringt. Gefeiert wird stadtgrenzenüberschreitend. Die Duisburger Stadtspitze verhält sich keineswegs mutlos, ängstlich oder gar kleingeistig, sondern visionär, indem sie durch Nichtstun den Ruhrstadt-Gedanken unterstützt.
  10. Olcay Sahan nach dem Spiel gegen den VfL Bochum recht hat, wenn er sagt: “Vor den drei letzten Pokalspielen gegen Köln, Kaiserslautern und Cottbus konnten wir unsere Liga-Spiele auch nicht gewinnen. Da wir nun in Bochum verloren haben, werden wir gegen Schalke gewinnen.”
  11. weil Goran Sukalo dazu bestimmt ist, das Dieter-Höneß-Gedächtnis-Tor zum entscheidenden 2:1 in der 84. Minute zu  köpfen. Für die Jüngeren: Ein Kopfballtor von einem Spieler mit Kopfverband nach Platzwunde. Nach diesem Tor werden alle Lahmen des MSV Duisburg wieder gehend, alle Blinden wieder sehend und alle Hörenden werden ob des Lärms von den Tribünen taub werden.
Der FC Schalke 04 gewinnt das DFB-Pokalfinale, weil …
  1. skAndy sich unmöglich von einem Affen tätowieren lassen kann.
  2. der Señor seine Karriere nicht ohne einen nationalen Vereinspokal beenden kann, und seinen königlichen Kollegen in nichts nachstehen darf.
  3. sich unsere Freunde von der Hertha sicher fürchterlich über einen königsblauen Pokalsieg in ihrer Stadt freuen würden.
  4. nach sechs Niederlagen in Folge endlich mal wieder ein Sieg her muss.
  5. die Schalker Mannschaft noch unfassbare Kraftreserven aus der Liga übrig haben müsste.
  6. Schalke 04 noch für mindestens ein Spiel den besten Schnapper der Welt zwischen den Pfosten stehen hat.
  7. Ralf Rangnick seine freie Zeit im Winter sicherlich genutzt hat, um mögliche nächste Gegner ausgiebig zu zu bespitzeln.
  8. Ultra Beauty nur durch einen Pokalsieg zum Schlager werden kann.
  9. ein Team, welches Bayern München im Pokal geschlagen hat, eben den Pokal bekommt.
  10. ein Team, welches Cottbus im Pokal geschlagen hat, eben nur Cottbus im Pokal geschlagen hat.
  11. er seit Beginn der Bundesliga im Jahr 1963 (s. Kommentare) statistisch gesehen immer den DFB-Pokal gewinnt, wenn der Finalgegner nicht Bayern München heißt.
Jetzt wissen wir alle Bescheid, oder?
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4 Comments

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4 Responses to Sergej Karimow, Gestaltpsychologie und der Señor

  1. hellwach1957

    >Phil, bißchen viel Konjunktiv für meinen Geschmack, aber bis Samstag sind ja noch ein paar Stunden Zeit …

  2. schlupp

    >Zu 11.:
    Bei 11 Finalteilnahmen und 4 Siegen würde ich das noch mal überprüfen, da gab es durchaus andere Gegner!

  3. Phil

    >@Schlupp: Okay, du hast Recht. Da hab ich mich von der Historie auf der Schalke-Homepage täuschen lassen, denn die beginnt erst mit dem Bundesligastart. Tatsächlich findet der DFB-Pokal (nicht Tschammer-Pokal, wohlgemerkt) schon seit 1953 statt. Und 1955 geht dann auch meine schöne Theorie mit der Finalniederlage gegen den KSC zu Bruch. Da muss ich mir schleunigst was Neues überlegen.

  4. Carlito

    >;-) Schöne Sammlung von Gründen auf beiden Seiten, wobei man rückblickend natürlich sagen muss, dass Deine Argumente treffender sind/waren… ;-)

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