Fußball ist keine antike Tragödie

Als ich die Tage über das heutige Spiel nachdachte, kam mir plötzlich Aristoteles’ Poetik in den Sinn. Keine Angst, ich fange jetzt nicht an über griechische Tragödien zu philosophieren. Zumindest nicht ausufernd. Aber dass Schalke sich im Hinspiel eine gewissen Fallhöhe erarbeitet hat, kann ja niemand leugnen.
Hätte Schalke das Hinspiel mit 5:2 verloren, es hätte wahrlich kaum jemanden gewundert. Die größte Verwunderung hätte es wohl noch über die zwei Auswärtstore gegeben. Ebenso kann man gegen Inter Mailand auch zu Hause mal eine Klatsche kassieren, ohne das dies eine allzu große Überraschung wäre.
Aber: Schalke hat eben nicht 5:2 verloren. Schalke hat, so unerwartet es eben ging, mit fünf Auswärtstoren gewonnen und steht nun vor der schwierigen Aufgabe, aus diesem grandiosen Glück (nicht im Sinne von “glücklich”) kein Unglück werden zu lassen. Womit wir beim Punkt sind, durch den ich mich an Aristoteles’ Poetik erinnert fühlte: Der (unverschuldete) Umschlag vom Glück ins Unglück macht eine Tragödie aus.
Der Lichtblick bei dieser Angelegenheit: Fußball ist nicht immer eine Tragödie, und schon gar keine antike. Mit der nötigen Ruhe, einer durchdachten Taktik und den Heimfans im Rücken sollte es durchaus machbar sein, nicht unterzugehen. Wenn das geschafft ist, kann man auch ruhigen Gewissens einen Blick über den Kanal werfen…
TumblrEmailPrintTeilen

4 Comments

Filed under Blog

4 Responses to Fußball ist keine antike Tragödie

  1. Arne

    >Das Wesentliche sollte sein, die Konzentration zu halten und nicht zu lässig zu werden. Denn wie sagte schon Aristoteles: "Denn eine Schwalbe macht noch keinen Frühling und auch keinen Tag; ebenso macht auch ein einziger Tag oder eine kurze Zeit niemanden gesegnet oder glücklich." – (Nikomachische Ethik I, Kap. 6, 19f, 1098a)

  2. MAGsein

    >Aufgewacht. Ans Spiel gedacht. Und an das, was – tragischerweise – passieren könnte. Mit konkreter Vorstellung davon, wie es passieren könnte. Aber halt, ich werde nicht davon berichten, denn:

    "Das alte Lied: Nicht die Untat, ihre Ankündigung macht die Menschen blaß, auch wütend, ich kenn' es von mir selbst. Und daß wir lieber den bestrafen, der die Tat benennt, als den, der sie begeht: Da sind wir, wie in allem übrigen, alle gleich. Der Unterschied liegt darin, ob man's weiß." (Christa Wolf, Kassandra)

    Ein wirklich schöner Beitrag, eine schöne Idee!

  3. heinzkamke

    >Es fürchte die Götter
    Das Menschengeschlecht!
    Sie halten die Herrschaft
    In ewigen Händen
    Und können sie brauchen,
    Wie's ihnen gefällt.
    Der fürchte sie doppelt,
    Den je sie erheben!
    (Goethe, Iphigenie auf Tauris)

  4. Arne

    >Tja, nach dem Spiel kann man mit Aristoteles dann folgendes sagen: "Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten."

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.