Wer siegt, wenn der Trainer fliegt? (Teil 2)

Im Oktober letztes Jahr hatten wir schon einmal das zweifelhafte Glück, gegen einen Klub zu spielen, der eben gerade seinen Trainer vor die Tür gesetzt hatte. Wie sich die Trainerentlassungen auf die unmittelbar nachfolgenden Spiele auswirkte, hatte ich in einer kleinen Aufstellung gezeigt. Das Ergebnis (3 Siege/ 3 Remis/ 4 Niederlagen) ließ keine Schlüsse für das bevorstehende Spiel zu. Aus aktuellem Anlass werde ich die Statistik um die Trainerentlassungen dieser Saison erweitern.


2009/10
  • Jörn Andersen – Mainz – 0. Spieltag, danach Punktgewinn zu Hause gegen Leverkusen
  • Dieter Hecking – Hannover – 2. Spieltag, danach Sieg in Nürnberg
  • Marcel Koller – Bochum – 6. Spieltag, danach Sieg in Nürnberg
  • Lucien Favre – Hertha – 7. Spieltag, danach Heimniederlage gegen Hamburg
  • Markus Babbel – Stuttgart – 15. Spieltag, danach Punktgewinn in Mainz
  • Michael Oenning – Nürnberg – 17. Spieltag, danach Niederlage auf Schalke (allerdings erst nach der Winterpause)
  • Andreas Bergmann – Hannover – 18. Spieltag, danach ohne Punkte in Mainz
  • Armin Veh – Wolfsburg – 19. Spieltag, danach Remis in Hamburg
  • Bruno Labbadia – Hamburg – 32. Spieltag, danach Heimsieg gegen Nürnberg
  • Heiko Herrlich – Bochum – 32. Spieltag, danach ohne Punkte aus München zurückgekehrt
2010/11
  • Christian Groß – Stuttgart – 7. Spieltag, danach 2:2 auf Schalke
  • Zvonimir Soldo – Köln – 9. Spieltag, danach 3:2 Sieg gegen den HSV
  • Jens Keller – Stuttgart – 16. Spieltag, danach 3:5 Niederlage gegen Bayern
  • Steve McClaren – Wolfsburg – 21. Spieltag, danach 0:1 Niederlage gegen den HSV

Das einzige Team, das mit einem Sieg aus dem Trainerwechsel hervorgegangen ist, ist der 1. FC Köln. Dort hat sich der Wechsel auch nachhaltig noch ausgezahlt. Holte Soldo aus 9 Spielen nur 5 Punkte, schaffte es sein Nachfolger Frank Schäfer aus den letzten 13 Spielen immerhin 20 Punkte zu holen. Stuttgart steht selbst nach zwei Wechseln noch tief unten drin und bei Wolfsburg ist es eben noch zu früh, um eine langfristige Entwicklung zu beschreiben. Halten wir also fest: In dieser Saison gab es nach Trainerwechseln einen Sieg, ein Remis und zwei Niederlagen. Addiert man das nur letzten Saison kommen wir auf 4 Siege, 4 Punkteteilungen und 6 Niederlagen. Interessanterweise setzt sich die Aufteilung von 30%, 30%, 40% (S/U/N) im Groben fort, wenn auch mit leichter Tendenz zu den Niederlagen.
Es bleibt also dabei: Auch wenn Trainerentlassungen oft das letzte Mittel zu seien scheinen, eine Garantie auf einen schnellen Aufschwung durch den neuen Impuls gibt es ganz gewiss nicht. Gut für die Teams, die scheinbar häufiger als alle anderen gegen Mannschaften mit neuem Trainer antreten (HSV 4X, Nürnberg 3X, Schalke 3X).
Für das Spiel gegen die Borussia fällt eine Prognose also zunehmend schwer, auch weil man am Niederrhein nun auf einen Trainer setzt, der eher als Mann mit einem langfristigen Plan, denn als Retter in höchster Not gilt. Ich bin gespannt, wie Lucien Favre mit dieser vorerst kurzfristig angelegten Herausforderung umgehen wird. Setzt er auf das übliche Personal? Gibt es irgendwelche phantasievollen taktischen Varianten? Werden wir den großen Mike Hanke sehen? (Ach, dass ich den jetzt erwähne, kann ja wieder nur Eines bedeuten, verdammt!)

Den Abgang von Ralf Rangnick in Hoffenheim hab’ ich mal außen vor gelassen, da dieser wohl nicht aus der sportlichen Situation des Klubs resultierte.
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5 Comments

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5 Responses to Wer siegt, wenn der Trainer fliegt? (Teil 2)

  1. MAGsein

    >Diese Statistiken hin oder her, mich beschäftigt noch viel mehr eine andere Regel: dass Schalke nach CL-Spielen gerne mal bescheidene BL-Auftritte abliefert. Dazu kommt dann eventuell der Neue-Trainer-Effekt bei Gladbach.

  2. Phil

    >Jede Statistik kann man zu seinen Gunsten auslegen: Nach 2 von 3 CL-Auswärtsspielen hat Schalke das darauffolgende Ligaspiel gewonnen. Zu Hause gegen St. Pauli und in Mainz.

  3. Carlito

    >*ggg*

    oder so…

  4. Matthias

    >Danke für die Aufstellung. Ich hatte in den letzten Tagen selbst versucht, in diese Richtung zu recherchieren, doch irgendwie scheint es verpöhnt zu sein, nur das erste Spiel nach einem Trainerwechsel zu betrachten. Dabei ist es doch zumeist genau dieses erste Spiel nach einem Trainerwechsel, das bei Mannschaft und Fans den größten psychologischen Effekt und medial die größte Aufmerksamkeit haben dürfte.

    Meistens wird der Tranerwechsel-Effekt über einen längeren Zeitraum betrachtet. Tut man dies, kommt man – wenig überraschend – zum Ergebnis, dass Trainerwechsel nichts bringen. Siehe http://bit.ly/gQPAQb

    Aber diese ganz einfache Aufstellung "Wie hat eine Mannschaft direkt nach dem Trainerwechsel gespielt?" findet man einfach nicht. Aus irgendeinem Grund erinnern sich auch die Sportjournalisten, die sonst nur "Minuten ohne Torerfolg" zählen können, beim Thema Trainerwechsel plötzlich an ihre Statistikkurse an der Uni.

  5. Pingback: Statistikecke | Turnhallengeruch

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