Das ist ja fast die HÄLFTE!

Das muss man sich einmal vorstellen. Während sich viele Fans über das Theater von Spielern wie Farfán, van Nistelrooy oder auch Demba Ba ärgern, bekommt ein Trainer, der sich kritisch zum Thema äußert, seine Aussagen um die Ohren gehauen. Der Grund? Er ist ein Teil des Systems.

Dabei ist die Argumentation, mit der vorgegangen wird, eine seltsame.

“In seinem Rundumschlag beklagt sich Magath unter anderem über Methoden der Erpressung, wenn ein Spieler seinen Wechsel erzwingen will (“Ich spiele nie wieder für euch”). Dabei vergisst Magath, dass die Verhältnisse auch umgekehrt sein können. Im November verbannte er Jermaine Jones, Alexander Baumjohann und Hans Sarpei in die zweite Mannschaft. [...]
Nicht nur ein sportliches Problem für die Spieler. Denn der Marktwert eines Profis sinkt, wenn er plötzlich statt in der Champions League nur noch in der Regionalliga West zum Einsatz kommt. Für Vereine eine durchaus gängige Praxis, einen ungeliebten Akteur unter Druck zu setzen, um ihn zu einem Vereinswechsel zu bewegen.”

 

Die Macht der Spieler mit dem Handlungsspielraum der Vereine zu vergleichen, hinkt doch irgendwie gewaltig. Versucht ein Spieler sich zu einem anderen Verein zu meckern (Stichwort: Für euch spiele ich nie wieder) bleiben dem Verein zwei Möglichkeiten: Erstens: Den Spieler verkaufen. Zweitens: Den Spieler auf die Bank, die Tribüne, in die zweite Mannschaft verbannen. In beiden Fällen verliert der Verein. Im ersten einen Spieler, im zweiten Fall sowohl einen Spieler, als auch die etwaigen Transfersummen, die für diesen gezahlt werden mussten, wie auch das Gehalt, welches er als Angestellter natürlich weiter bezieht. Angenehmer ist es also, den Spieler ziehen zu lassen, womit dieser seinen Willen durchsetzt, der Verein aber zumindest noch entschädigt wird.
Dass ein Spieler allerdings doch etwas verliert, wenn er nicht mehr spielt, dazu hat man sich auch fix eine steile These gebastelt:

“‘Bis zu 40 Prozent des Gehalts eines Spielers werden leistungsbezogen gezahlt’, sagt Ulf Baranowsky, Geschäftsführer von der Spieler-Gewerkschaft VDV, Spiegel Online.”

So so, bis zu 40 Prozent also. Etwas konkreter ging es also nicht? Um welche Ligen es sich da handelt, 1. Bundesliga, oder auch die Zweite. Was ist mit der dritten Liga? Das soll doch auch Profifußball sein, oder? Die Vorstellung, ein Topspieler unterschreibt einen Vertrag, bei dem 40 % seines Gehaltes zum Beispiel von Siegprämien, und somit von all seinen Mitspielern, abhängen, ist doch eher lächerlich. Aber die Zahl klingt einfach so schön (das ist ja fast die HÄLFTE!), die wird einfach mal in den Raum geworfen. Relativ fragwürdig ist auch, dass diese Information direkt bei der Spieler-Gewerkschaft eingeholt wurde. Jemand Unabhängigen hat man da wohl nicht finden wollen können.

“Magath kritisiert, dass “die Profis trotz siebenstelliger Jahresgehälter weiter die Rechte eines ganz normalen Arbeitnehmers genießen”. Doch auch er hat in der Vergangenheit von diesem Arbeitsrecht profitiert, das ihm beispielsweise im Falle einer Trennung weiter Gehalt zusichert. So war es 2007 bei seiner Beurlaubung bei Bayern München.”

Auch hier findet sich wieder eine interessante Argumentation: Weil man früher mal von einer Gesetzmäßigkeit profitiert hat, darf man diese nicht schlecht finden, beziehungsweise versuchen sie zu ändern. Der Umkehrschluss würde bedeuteten, dass man ein System nur von außen ändern kann, wenn man also kein Teil desselbigen ist. So etwas sollte man sich mal in der Politik vorstellen, aber das nur am Rande.
Der einzige Punkt, in dem ich dem Autor Recht geben könnte, ist die “Horst Heldt – Episode”. Sein Abgang in Stuttgart hat vor dem Hintergrund der aktuellen Aussagen Magaths doch einen faden Beigeschmack. Allerdings beruft sich der Autor auch hier wieder nur auf eine wohl eher wenig objektive Quelle: Den Präsidenten des VfB…
Alle Zitate stammen aus dem Kommentar “Der Schein-Heilige” auf www.spiegel.de.
TumblrEmailPrintTeilen

3 Comments

Filed under Blog

3 Responses to Das ist ja fast die HÄLFTE!

  1. MAGsein

    >Bin auch an den 40 Prozent hängen geblieben. Ob diese Angabe nun hinkommt oder nicht: Es sind 40 Prozent von meist sehr viel. Und was ist mit den einmaligen Summen, die hie und da fließen, z. B. bei Transfers, und die weder zum laufenden Gehalt zählen noch zum Leistungsbonus? An dieser Stelle hätte der Spiegel das Thema Handgelder nochmals aufgreifen können, eine Gepfogenheit, die zumindest früher bis in die A-Liga üblich war, und die größere Berühmheit erlangte beim Deisler-Wechsel von Hertha zu Bayern München. Aber halt, nein, das hätte ja nicht in die sture Argumentationskette gepasst.

  2. MAGsein

    >…und hier noch das L für Gepflogenheit (zu doof, um ein paar Zeilen Kommentar tippfehlerfrei über die Bühne zu bringen)…

  3. Matthias

    >Zustimmung und noch eine weitere Anmerkung zur Gesamtthematik: Genau die Zeitungskommentatoren, die aktuell von Schalke und Hoffenheim vehement fordern, ein Exempel an den Spielern zu statuieren, haben sich vor gar nicht ganz so langer Zeit noch darüber lustig gemacht, dass Schalke Albert Streit in die Regionalliga geschickt hat. Allgemeiner Tenor bei WAZ, Reviersport, BILD und Co: "Albert Streit dreht Schalke eine lange Nase und lässt den Verein dumm dreinschauen. Hahahaha…"

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.