Ein holpriger Start

Gestern hat auch für Deutschland die Weltmeisterschaftsendrunde angefangen. Mit Vollgas, aber ich fang’ lieber am Anfang an. Schon um 17 Uhr haben wir uns in Schwelm am Bahnhof getroffen um Richtung Wuppertal zu fahren. Nicht in Stadion, sondern nach Barmen in eine große Kneipe. Bei den letzten Turnieren war das immer die richtige Wahl, wetterunabhängig auf einer großen Leinwand, am besten noch unmittelbar an der großen Theke Fußball gucken. Besser ging’s nicht.

In diesem Jahr sollte es anders kommen. Eine Wuppertaler Zeitung (oder war es nur so ein kleines Anzeigenblättchen? Ich weiß es gar nicht…) hatte sich den Luxus erlaubt, den kompletten Innenraum samt großer Theke zu mieten, was den gemeinen Fußballfan nun ziemlich in die Bredouille brachte. Wo sonst zahllose schwarzrotgoldene Verrückte dicht gedrängt vor der Leinwand stehen, tummelten sich die wenigen Gäste dieser Zeitung.
Eine wirklich sehr bedauerliche Entscheidung, denn die Leute, die wirklich wegen des Spiels da waren mussten sich in den sowieso schon mit zahlreichen Sichtbehinderungen ausgestatteten oberen Etagen stapeln. Nicht wenige haben die Lokalität auch aufgrund dessen wieder verlassen.
Nachdem wir dann also mit ungefähr 20 Leuten auch eher im Weg standen, wurde uns dann ein freigewordener Tisch (erstaunlicherweise hielt man es auch für eine gute Idee, ALLE Tische zur Reservierung freizugeben!) angeboten. Da sich dieser Tisch im obersten Stock befand und auch sonst nicht ideal zur Leinwand ausgerichtet war, hätte dann wohl nur einer von uns einen guten Blick auf das Geschehen gehabt. Dass wir den Umzug dankend abgelehnt haben, stoß dann auf totales Unverständnis und schlug sich in einer gewissen Patzigkeit nieder. Herrlich. Noch hat hier nichts angefangen und man verliert schon die Nerven.
Dass das Bedienen dann nicht so gut funktioniert hat, spar’ ich mal aus, denn vielleicht war die junge Dame einfach noch unerfahren und solchen Menschenmassen nicht gewachsen, geschenkt, kann passieren, wird nächstes Mal besser…
Dann, irgendwann nach Stunden fing auch endlich das sehnlichst erwartete Spiel an. Spielbericht oder Ähnliches kann ich mir vermutlich klemmen, denn wer sich dafür interessiert, hat es sowieso gesehen. Nur so viel: Eine deutsche Mannschaft, die so konsequent in die Spitze spielt, hab’ ich lange (vielleicht noch nie?!) gesehen. Das hat mich wirklich beeindruckt.
Nach dem Spiel kam dann aber leider der Schock, hier muss ich vielleicht auch meinen Text von letzter Woche etwas revidieren. Ich bin zwar immernoch ein Freund vom öffentlichen Leinwandgucken, aber das nach dem ersten (!!!) Vorrundenspiel gegen Australien in Wuppertal hupende Menschen durch die Stadt fahren und Kreuzungen von feiernden Menschen blockiert werden find’ ich schon ein wenig befremdlich.
Was wollen die denn erst machen, wenn es ernst wird? Ich mag es mir gar nicht vorstellen…
Auf dem Weg nach Hause habe ich dann bei Twitter das Theater wegen des angeblichen Ausrutschers von Katrin Müller-Hohenstein verfolgt. Leute, was war denn da los? Sie hat nicht gesagt, dass Klose einen Reichsparteitag gefeiert hat, sondern etwas Anderes. Da war auch kein Nazivergleich, oder so. Vielleicht war es eine etwas unglückliche Formulierung, aber noch lange keinen Aufstand wert. Denkt mal drüber nach, was das überhaupt bedeutet, bevor ihr euch empört. Dazu sei allen noch dieser Text von Stefan Niggemeier ans Herz gelegt. Der trifft es, meiner Meinung nach, ganz gut.
So, jetzt hab’ ich mich genug empört. Es war ein schwieriger Start, einer mit Hindernissen. Für mich kann es nur besser werden, für die Nationalelf kann es so weiter gehen. Ich freu’ mich drauf!
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