Scheiß Millionäre!

Das ist schon komisch, dieses Hoffenheim. Da kommt der Dorfklub aus dem Nichts durch einen langen Plan von ein paar klugen Köpfen (Rangnick) und dicken Töpfen (Hopp) bis zur Herbstmeisterschaft. Maßgebend war in der Entwicklung aber sicherlich die viele Kohle. So ein Umfeld schafft man nicht mal eben aus dem Nichts, ist klar. Andere Vereine mit viel Erfolg und langer Tradition strampeln sich auch ab, um eine anständige Infrastruktur auf die Beine zu stellen. In Hoffenheim lief das anders. Da war nichts mit Tradition und der Erfolg ist auch immer Ansichtssache. In der 5. oder 6. Liga der Tollste zu sein, kann halt nicht immer den Ansprüchen, in diesem Fall wohl denen von Herrn Hopp, entsprechen.

Und eines ist ja auch klar, mit dem zunehmendem Erfolg strömen auch die Fans ins Stadion. Bei einem jungen Verein, ich lasse jetzt mal die 1899 bei Seite, sind das vermutlich auch in erster Linie junge Fans. Ich denke nämlich nicht, dass sich Anhänger von Vereinen aus der Nähe “abwerben” lassen. Das kann natürlich ein Problem werden, denn jungen Fans fehlt oftmals was, vor allem in der Geschichte von Hoffenheim. Wenn es immer nur bergauf geht, dann kann man mit Rückschlägen nicht umgehen. Und das zeigt sich dann in solchen Aktionen, wie wir sie am Wochenende gesehen haben. Plötzlich stört die viele Kohle, die die Spieler verdienen, wohlgemerkt. Die können nämlich gehen, Herr Hopp soll selbstredend bleiben, sein Vermögen stört niemanden.
Versteht mich nicht falsch, in anderen Vereinen gab es auch diese seltsamen Blockaden, in Stuttgart, bei der Hertha, auf Schalke in der Vergangenheit bestimmt auch. Aber die Vorfälle in Hoffenheim waren in meinen Augen schon sehr befremdlich. Ein Verein, in seinem zweiten Erstligajahr, steht nach 30 Spieltagen auf Platz 12, 7 Punkte vor dem Relegationsplatz. Die anderen beiden Klubs, die Hoffenheim in die erste Liga begleiteten, stehen direkt vor (Gladbach) und hinter Hoffenheim (Köln). Die gleiche Reihenfolge hatte auch die Abschlusstabelle der 2. Liga vor 2 Jahren. Alles im Lot, alles normal gelaufen, könnte man meinen.
In Hoffenheim sieht man das offensichtlich ganz anders. Die jungen Fans sind das verlieren nicht gewohnt. Das sieht bei einem Schalker natürlich ganz anders aus. Die dicken Niederlagen habe ich natürlich auch nicht mehr miterlebt. Beim letzten Abstieg war ich gerade 4 Jahre alt. Seit ich 1994 das erste mal im Stadion war, sind die Zeiten in der Tat eher von guten Ergebnissen geprägt. Nationale Titel, einen europäischen, mehrere Vizemeisterschaften, tolle Pokalnächte, das alles durfte ich miterleben. Aber auch die dicken Klatschen, erwähnen muss ich sie wohl nicht. Jeder weiß, was an diesem einen Tag in den Parkstadien passiert ist. Wie sich das angefühlt hat, das wissen nur die 60.000, mit denen ich im alten Rund stand. Wie die Schalker an den Fernsehern und Radiogeräten das empfunden haben kann ich nicht sagen. Es wird wohl ähnlich gewesen sein.
Das sind die Momente, in denen sich die Kultur, der Kult und die Fangemeinschaft festigt. Nicht im Moment des Triumphs, da wird die Gemeinschaft vielleicht größer, aber sicher nicht enger. Dafür sorgen die Rückschläge.
Das ist es vielleicht, was die Jungs in Hoffenheim noch lernen müssen. Und, dass der moderne Fußball nur mit Geld funktioniert,sowohl auf Vereins- und natürlich auch Spielerseite. Da kann ich nicht den Reichtum der Spieler verfluchen, aber den preisen, der ihn ermöglicht hat.
Naja, eigentlich wollte ich nur kurz was zu den Fanprotesten der Hoffenheimer schreiben, wurde wohl was mehr ;-)
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2 Comments

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2 Responses to Scheiß Millionäre!

  1. Kalle

    >Die äffen das nach, was sie im TV bei den Anhängern etablierter Vereine gesehen haben. Völlig lächerlich, diese Proteste.

  2. T

    >Hängt aber auch maßblich mit dem zusammen was Rangnick vor der Saison versprochen hat. Er sprach nämlich von Europapokal, Champions League und wenn alles gut läuft auch von der Meisterschaft…

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