Ganz unten

Was das Fußballspielen angeht, darf man mich wohl als Spätberufenen bezeichnen. Während andere Kinder schon in der Minikickerbambinipampersliga vor den Ball traten, war das alles für mich noch überhaupt kein Thema. In der Rückschau änderte sich das erst ein bisschen in der Zeit zwischen der EM ’92 und der WM ’94, wobei die Nationalelf an dieser Entwicklung wenig Beteiligung gehabt haben dürfte. Vermutlich waren es eher die Blauweißen, die das Interesse weckten.

Der Schritt, dem örtlichen Fußballverein beizutreten, blieb dennoch aus. Mein Bruder und ich spielten Tischtennis, durchaus ein paar Jahre lang. Fußball gab es lediglich auf dem Bolzplatz oder gelegentlich im Schulsport, wenn mal ausnahmsweise keine grässlichen Dinge wie Turnen, Leichtathletik oder Volleyball auf dem Plan standen. Als wir allerdings beim Tischtennistraining dazu übergingen, zum Aufwärmen(!) Fußball zu spielen, war das Ende dieser Freizeitbeschäftigung so gut wie besiegelt. Ziemlich schnell zeichnete sich ab, dass viele Kinder in erster Linie zu den Trainingseinheiten kamen, weil eben vorher möglichst ausgedehnt Fußball gespielt wurde. Da würde ich mich auch gar nicht ausnehmen. Also konnte man das mit dem Tischtennis auch gleich sein lassen. Ehrlicherweise muss ich auch eingestehen, nie sonderlich gut an der Platte gewesen zu sein. Viel mehr fiel ich wohl dadurch auf, unheimlich schlecht verlieren zu können. Ein Umstand, der sich interessanterweise bis heute ziemlich gewandelt hat.

Als es mit dem Tischtennis dann zu Ende ging, stand, anders als man es jetzt erwarten könnte, kein Wechsel zum Fußball an. Nein, Handball wurde ausprobiert. Ein riesiges Missverständnis, wohl beiderseits. Da war ich so um die 13 Jahre alt und die Karriere als Vereinssportler konnte getrost als beendet angesehen werden.

Eine kleine Ewigkeit später spiele ich nun in einer Altherren-Mannschaft Fußball. Betriebssport, nichts besonderes. Nur Spiele, kein Training. Der Schichtdienst vieler Mitspieler ließe sowas auch gar nicht ordentlich zu. Angefangen hat die Betriebssportsache, indem ich in der neugegründeten Kleinfeld-Truppe ausgeholfen habe, aus der dann eine reguläre 1. Mannschaft hervorging.  Als diese nach zwei eher weniger erfolgreichen Saisons aufgelöst wurde, blieben nur die Optionen aufzuhören oder zu den Alten wechseln. Da die Lust zum Kicken durchaus noch vorhanden war und die Mannschaft nicht gerade unsympathisch erschien, war die Wahl klar.

In meinen Endzwanzigern habe ich also zum ersten Mal wirklich in einer Art Verein Fußball gespielt. Zum ersten Mal in Elferbesetzung, zum ersten Mal auf dem großen Feld. Manch einer kann sich vielleicht vorstellen, wie schwierig es ist, sich dort zurechtzufinden, wenn man sonst nur kleine Bolzplatzkäfige oder Hallenplätze gewohnt ist. Taktik, Positionstreue, Verschieben, Gegenspieler im Auge haben, dies, das. Man bekommt irgendwie nicht so häufig den Ball. Sehr seltsam, das alles.

Zu Beginn wurde ich meist als ein Teil einer Doppelsechs aufgestellt. Das kam mir zwar komisch vor, hört man doch immer wieder, wie wichtig diese Position im Fußball sei, aber über einen Platz in der Startelf beschwert man sich ja nicht. Überraschenderweise funktionierte das immer ganz gut, wenn mein Kumpel M. auf der Sechs neben mir spielte. Der erledigte seine Aufgaben nämlich nicht nur meist bravourös, sondern hatte auch immer noch genügend Zeit, mich mit hilfreichen Anweisungen zu versorgen. Dass ich von alldem nämlich nur theoretisch Ahnung habe, wusste er offenbar ganz genau.

Wenn M. nicht da war, hab’ ich natürlich eher schlecht ausgesehen. Mein Nebenpart auf der Sechs hatte dann entweder selbst keinen Plan, oder hat diese Aufgabe dermaßen offensiv interpretiert, dass ich mich quasi im Regen stehend wiederfand. Keine angenehme Situation. Auch schön für einen Neuling wie mich, waren Positionswechsel während des Spiels. Plötzlich stellt der Trainer um und man findet sich in der Verteidigung in einer Dreierkette wieder. Dort weiß man dann gar nicht, wo man zu stehen und was man zu tun hat, außer eben die Stürmer unauffällig zu treten und Bälle wegzubolzen. Bei Joel Matip sieht der Job irgendwie eleganter aus.

Nach dem Wechsel zu den Alten Herren fand ich mich dann in der Regel im rechten oder linken Mittelfeld wieder. Fragte man mich, ich machte kein Geheimnis daraus, dass ich mich dort auch am wohlsten fühle. Auf der Außenbahn hat man potenziell weniger Gegenspieler als in der Zentrale und zudem wiegt ein Fehler dort im Normalfall nicht so schwer, wie er es tut, wenn man ihn in der Defensive oder gar als letzter Mann begeht. Außerdem bilde ich mir ein, noch über eine gewisse Grundschnelligkeit zu verfügen, die natürlich am Spielfeldrand besser zur Geltung kommen kann.

Für das Pokalspiel gegen einen klassenhöheren Gegner, das kürzlich anstand, hatte sich der Trainer allerdings etwas ganz anderes überlegt. Bei der Bekanntgabe der Aufstellung fand ich mich als rechter Außenverteidiger in einer Viererkette wieder. Viererkette? Noch nie gespielt, aber Lamentieren hilft ja nicht. Vor dem Anpfiff kam J., der rechte Mittelfeldspieler, zu mir und bat mich, möglichst meine Position auf der Seite zu halten. Erst kürzlich habe ein anderer  Außenverteidiger sich immer vom Gegner ins Zentrum ziehen lassen und die Flanke entblößt. Ich nickte. Was sollte ich auch sonst tun, als auf die erfahrenen Spieler zu hören. Vor allem in so einem Spiel.

Das Wetter und die Platzverhältnisse an diesem Tag ließen sich am leichtesten folgendermaßen beschreiben: Schon nach dem Aufwärmprogramm hätte problemlos ein Goldfisch in meinen Schuhen wohnen können und selbst hart gespielte hohe Bälle blieben einfach liegen, sobald sie Kontakt mit dem Platz aufgenommen hatten.

Im Spiel sah ich mich dann plötzlich im Spannungsfeld zwischen J., dem Mann auf der rechten Seite, und B., dem Abwehrchef im Zentrum wieder. B. wollte seine Viererkette möglichst kompakt halten und wies mich immer wieder an, ins Zentrum nachzurücken, wenn das Spiel sich verschob. J. hingegen bedeutete mir immer wieder, meine Position auf außen zu halten, um ihm mehr Freiheiten im Spiel nach vorne zu gewähren. Als Neuling im Team habe ich natürlich versucht, es beiden recht zu machen. Im Endeffekt hatten ja auch beide Forderungen irgendwo ihre Berechtigungen, was wohl allerdings eher einem gesamttaktischen Problem geschuldet war. Das komplette Spiel über war ich also damit beschäftigt, von rechts in die Mitte und zurück zu hetzen, um irgendwelche vermeintlichen Lücken zu schließen. Wahrscheinlich habe ich so öfter falsch, denn richtig gestanden, was aber ohne wirkliche Konsequenzen in Form von Gegentreffern über meine Seite blieb.

Nun ist es bei unserer Mannschaft wie oben schon angedeutet so, dass wir uns nie zum Training treffen, allenfalls mal zum gemeinsamen Hallenkick. Folglich ist also jeder selbst noch mehr für seine Kondition verantwortlich, als es in regulären Vereinsmannschaften der Fall ist. Kraft- und Luftdefizite sind bei dem ein oder anderen zum Ende des Spiels also quasi vorprogrammiert. Dann wird es konfus.

Mit 2:1 lagen wir in der Nachspielzeit der zweiten Hälfte vorne — waren also schon mit einem Bein im Pokalviertelfinale — als unser Gegner sich noch einmal einen Eckball erarbeitete. Die Abwehr befand sich zwar weitestgehend auf dem Posten, unsere Offensivabteilung sah sich aber offenbar nicht mehr im Stande, den weiten Weg Richtung eigenem Sechzehner anzutreten. Alles Geschrei half nichts. Ob wir jetzt dadurch in eine Unterzahlsituation geraten waren, weiß ich gar nicht mehr. Vielleicht war es auch ausgeglichen, aber darauf kam es auch nicht an. Wir wurden überrumpelt, der Ball zappelte im Netz, buchstäblich in der letzten Sekunde. Verlängerung. Und eigentlich konnte ich keinen Meter mehr laufen.

Mein rechter Schuh hatte sich völlig durchnässt inzwischen teilweise seiner Sohle entledigt und mir schwirrten Wörter wie Momentum durch den Kopf. Wir hatten die doch am Rande der Niederlage.

In der Verlängerung tat sich dann Erstaunliches. Ich bekam zwar noch immer schwer miteinander zu vereinbarende Anweisungen, war allerdings nicht mehr in der Lage, irgendeiner davon Folge zu leisten. Dafür drehte unsere Angriff nun kräftig auf. Offenbar war ihnen bewusst, was da kurz vor Schluss den Ausschlag gegeben hatte. Zwei kurz aufeinanderfolgende Buden brachten uns wieder in Front. Unsere Gegner, die ebenso wie wir ihr Wechselkontingent erschöpft hatten, mussten nach unseren Torerfolgen erschöpfungs-/verletzungsbedingt gleich auf zwei Spieler verzichten, was am Ende unseren Sieg sicherte.

Sensation! Regenschlacht! Viertelfinale! Glaubt man den Legenden, hat es das bei uns noch nie gegeben. Nach dem erlösenden Schlusspfiff schleppte ich mich klatschnass in die viel zu kleine Kabine und suchte mir eine Ecke. Es war beinahe gespenstisch still. Aus dem TV kennt man ausgelassene Kabinenparties nach solchen Erfolgen. Hier war jeder mit sich selbst und seiner körperlichen Verfassung beschäftigt. Nicht mal eine einzelne Flasche Bier habe ich gesehen.

So ist das wohl, wenn man wirklich ganz unten spielt.

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Steile These (71)

…beim Club ist man weit davon entfernt, in wilden Aktionismus zu verfallen. Vielmehr setzte man auf einen ‘Trainerwechsel light’.” – Stefan Jablonka (NZ) konnte beim Club zuletzt keinen Aktionismus erkennen

Das kann man nun bei einem Trainerwechsel (dem zweiten innerhalb einer Saison) drei Spieltage vor Schluss auch durchaus anders sehen, aber gut. Ich für meinen Teil hätte ja sowieso nach Nürnbergs furiosem Rückrundenstart überhaupt nicht gedacht, dass da in Sachen Klassenerhalt noch was anbrennen könnte. So kann man sich täuschen. Da haben wir nun die denkbar schlimmste Ausgangslage: Schalke braucht zwar keinen Sieg mehr, ein einzelner Punkt wäre aber nicht so ganz schlecht. Dem Club brächte ein Punkt überhaupt nichts. Selbst wenn der große Wurf gelänge, man wäre immer noch auf Mainz angewiesen. Einen Verlierer wird es also auf jeden Fall am Samstag geben.

Kurz kamen in mir Überlegungen auf, wie es gewesen wäre, hätte Schalke in Stuttgart oder gegen Mönchengladbach ordentlich gespielt, aber nüchtern betrachtet verbieten sich solche Gedanken natürlich. Wenn jemand in 33 Spielen nur 26 Punkte holt, dann kann man da eigentlich nicht mehr helfen. Dann ist es sowieso ein Wunder, wenn eine Rettung überhaupt theoretisch noch möglich erscheint. Dann auf andere zu hoffen, ist im Grunde schon töricht, aber es bleibt ja nichts anderes übrig.

Ach, es ist einfach eine saublöde Situation.

 

 

Trainerwechsel light. Also wirklich…

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Steile These (70) mit @Sky_Dirk

 

Pünktlich zum Endspurt kehren zwei Langzeitverletzte in den Kader von Jens Keller zurück. Mit Marco Höger und Jan Kirchhoff sind es zudem zwei Spieler, die sehr variabel einsetzbar sind. Auch, wenn beide Spieler nur für Kurzeinsätze zur Verfügung stünden, wäre es sicherlich nicht schlecht, solche Optionen auf der Bank zu haben. Und vielleicht wird am Samstag ja doppelt rasiert. Erst Freiburg, dann Högers Gesicht.

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Steile These (69)

Sowohl Sead Kolasinac als auch Chinedu Obasi absolvieren alle Übungen und auch das abschließende Spielchen bei strahlendem Sonnenschein in einer langen Hose.” - Andree Hagel (WAZ) hat ganz genau hingesehen

Und was sagt uns das jetzt? Haben die Beiden in der Muckibude die Beine vernachlässigt? Oder Angst vor Sonnenbrand? Sich beim Rasieren verstümmelt? Und wieso zieht Boateng eine halblange Hose an, die er dann hochkrempelt? Keine Kurze gefunden?Von mangelndem Schlaf verwirrt? Oder liegen gar die Nerven beim Zeugwart blank? Geht nun alles noch den Bach runter? Und was genau ist eigentlich der Unterschied zwischen halblanger und kurzer Hose?

Vielleicht ein Fall für Mulder & Scully.

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Das mit den Fähnchen

Alle Jubeljahre kommt es mal vor, dass Vatter über die Firma Karten für das Schalker Gastspiel in Stuttgart ergattern kann. Zuletzt hatten wir in der Saison 2006/07 das Vergnügen. Ein Zweifelhaftes, wie sich manch einer vielleicht erinnert: Schalke verlor nach einer Galavorstellung von Sami Khedira das Spiel mit 3:0 und am Ende der Saison zu allem Überfluss auch noch die Meisterschaft an den VfB. Da entschädigt auch der feine Logenplatz nicht mehr.

In diesem Jahr war es dann mal wieder so weit. Die Karten samt Parkhausticket lagen schon ein paar Tage bereit und ich versuchte die schlimmen Erlebnisse vom letzten Mal auszublenden. Einige Meter Autobahn lagen dann am Sonntag noch vor uns. Da sucht man sich Ablenkung. In die knapp 400 Kilometer passten glücklicherweise genau die aktuellen Folgen von Collinas Erben und der Millernton, während derer man den Dom von Tebartz und das Stadion der Hoffenheimer am Rande vorbeiziehen sehen konnte.

Die Hinfahrt gestaltete sich also eher kurzweilig. Problemlos war sie auch, sodass wir uns knapp zwei Stunden vor Anpfiff schon in der Soccer(?)-Lounge auf dem Weg in die eigentliche Loge befanden. Dort das übliche Programm: Begrüßung, Getränke, Büffet, noch mehr Getränke und noch mehr VfB-Fähnchen. Sowieso wollten einem im kompletten Stadionbereich hochmotivierte Menschen alberne kleine Fähnchen in die Hand drücken. Solche Aktionen stinken ja geradezu nach Verzweifelung.

Irgendwann, nachdem wir uns auch ein wenig innerhalb des Stadions umgesehen hatten, kam dann eine freundliche Dame, um uns einen Zettel mit den Aufstellungen zu bringen. Der Anpfiff rückte also näher. Schnell noch ein paar Getränke in innenraumtauglichen Plastikbechern holen und los geht’s. Das Spiel sollte dann genauso grauenhaft werden, wie bei unserem letzten Besuch. Zur Pause witzelten wir noch mit den schwäbischen Logengästen darüber, dass die Stuttgarter diese Saison ja eigentlich noch jede Führung vergeigt hatten, ab der 60. Minute dann nicht mehr so. Das einzig Positive war ab dieses Zeitpunkt, dass die Stuttgarter keine Anzeigetafel im herkömmlichen Sinne haben, die einem noch permanent den Zwischenstand vor die Nase hält. Es gab lediglich eine Werbetafel, welche nebenher die Uhr- und Spielzeit anzeigte und die Werbeeinblendungen lediglich für Auswechselungen oder vielleicht auch mal eine gelbe Karte unterbrach. Angenehme Dauerwerbung. Zumindest in unserem Fall.

Nach dem Spiel traten wir dann schleunigst die Rückreise an. Zum einen, weil der Weg nach Hause noch ein langer war, zum anderen, weil man nach so einer Niederlage natürlich auch keinen Spaß mehr an den Vorzügen einer Loge finden kann. Zurück ließen wir eine Hand voll glücklicher Schwaben.

Das mit den Fähnchen wird in Stuttgart nach diesem Spiel wohl erst einmal nicht mehr notwendig sein…

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Videobeweis?

Nachdem ich vorgestern noch via Twitter die Aussage traf, Christian Dingerts Aussagen zum angeblichen Videobeweis klängen ein wenig zu perfekt, also zurechtgelegt, bin ich nun nach längerem Grübeln zu einem anderen Schluss gekommen. Vorweg: Draxler stand natürlich im Abseits, weswegen das Tor zurecht nicht gegeben werden durfte.

Es war eine etwas unübersichtliche Situation, in der Leon Goretzka den Ball im Strafraum zu Julian Draxler spitzelte. Wenn der Assistent zwar erkennt, dass Draxler im Abseits steht, aber nicht sieht, von wem der Ball kommt, dann handelt er doch völlig richtig, indem er die Fahne schön unten lässt um die Szene, falls nötig, nachher mit dem Referee aufzulösen. Hebt er die Fahne, sorgt er damit doch auf dem Platz für Verunsicherung. Sieht beispielsweise der Schiedsrichter die Spielsituation anders und lässt trotzdem weiterspielen, ist das Theater nachher groß, wenn ein Tor fällt.

So hatten nun Schiedsrichter und Assistent die Möglichkeit, ihre beiden Sichtweisen zu einer kompletten Szene zusammenzusetzen. Der Linienrichter hat gesehen, dass Draxler Abseits stand, wofür man beim besten Willen keinen Videobeweis benötigte. Der Schiedsrichter wusste, ob ein Schalker oder ein Frankfurter den Ball gespielt hat, was bei einer normalen Wiederholung aus großer Entfernung selbst auf dem Videowürfel wohl kaum erkennbar war.

Wieso die Absprache der Beiden nun so lange gedauert hat? Da muss ich spekulieren. Einerseits war gerade ein Tor gefallen, was ja in der Regel für einen ordentlichen Anstieg des Geräuschpegels sorgt. Da werden Unterredungen nicht gerade leichter gemacht. Andererseits waren sie mit Sicherheit bestrebt, die korrekte Entscheidung zu treffen, was eben genaue Schilderung und vielleicht auch noch die ein oder andere Nachfrage beinhaltet.

Vielleicht hat der Assistent innerhalb dieser langen Minute aber doch einen kurzen Blick auf den Würfel geworfen. Allerdings hätte ihm das bei der entscheidenden Frage, nämlich von wem der Ball kam, halt einfach nicht geholfen. Und da das Schiedsrichtergespann im Endeffekt zu der richtigen Entscheidung gekommen ist und Schalke trotz zusätzlich verschossenen Elfmeters am Ende siegreich war, kann die ganze Sache wohl getrost als abgehakt betrachtet werden.

Was anderes: Wie cool war bitte Farfáns Freistoßtor samt darauffolgendem “Labert ihr mal!”-Jubel?!

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Steile These (68)

Es gibt viele Techniken, die man versucht hat einzuführen. Ich weiß noch, da hatten wir mal unten in der Sohle ein bisschen Sand. Wenn man schießt, geht der Sand nach vorne, wodurch der Schuss noch mal schärfer werden sollte.” — Tranquillo Barnetta ist von Neuentwicklungen bei Fußballschuhen nicht so sehr überzeugt

Natürlich ist vor dem Duell der Eintracht mit Schalke 04 gerade Barnetta ein gefragter Mann, steht er doch eigentlich bei den Gelsenkirchenern unter Vertrag und spielt derzeit lediglich auf Leihbasis in Frankfurt. Die FAZ hat ihn also prompt mal zum Gespräch gebeten. Dabei kommt ans Licht, aus welchen Gründen es auf Schalke nicht so recht klappen wollte, wer ihm dringend zu einem Wechsel geraten hat, und warum Fußballschuhe nicht beim Toreschießen helfen. Letzteres wird seinem Ausrüster sicher sehr gefallen: Proud to have Sand in den Schuhen.

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Neues aus Entenhausen

Tja, geahnt hatte ich das ja bereits, als ich hier meine zwei Wörter vor dem Spiel zum besten gab. Naja, nicht ganz. Um die Ohren geflogen ist mir meine Aussage nicht. Man hat Bremen zwar nicht die in letzter Zeit obligatorische Abreibung verpasst, aber selbst ist man halt auch nicht untergegangen. Ein Remis in Bremen, da kann ich ehrlich gesagt, aktuell mit leben. Der Vorsprung auf Platz 4 ist, ob man es glaubt oder nicht, sogar noch angewachsen. Sieben Punkte bei noch fünf ausstehenden Spielen, da kann man mit arbeiten. Okay, Platz 2 ist wieder ein Stück in die Ferne gerückt, aber dahingehend könnte auch noch einiges passieren.

Durch die Rückkehr von Boateng in die Startelf und Papadopoulos in den Kader kam Schalke übrigens nicht mehr ganz so jugendlich daher wie zuletzt. Das war auch gut so. So oft und ausgiebig, wie Jens Keller und die Mannschaft dafür gelobt wurden, kam bei dem Trainer eines süddeutschen Vereins ein wenig der Geltungsdrang durch. Prompt stellte er “die Wiedergänger von Tick, Trick & Track” (Steffen Simon) in die Startelf, um selbst Lorbeeren für erfolgreichen Jugendstil einzuheimsen.  Ging aber gründlich daneben. So stehen die Chancen eher schlecht, dass sich dieses Experiment am kommenden Wochenende wiederholt. Könnte ja unter Umständen wichtig sein.

Irgendwie habe ich das Gefühl, man kann den nächsten Wochen gelassen entgegensehen, bei all dem, was Schalke in dieser Saison schon überstanden hat.

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Steile These (67)

Ganz Schalke ist momentan sehr entspannt” – betitelt Jörg Strohschein seinen Vorbericht auf wa.de zum Schalker Spiel in Bremen

Na, dann lehnen wir uns am besten alle zurück, und sehen zu, wie Werder Bremen die beinahe schon obligatorische Klatsche verabreicht wird. (Während ich diesen Satz schreibe, kann ich beinahe schon sehen, wie er mir um die Ohren fliegt…)

 

 

 

+++WERBUNG+++Nach dieser wirklich knappen steilen These zum Spiel sei mir noch kurz Werbung in eigener Sache erlaubt, speziell für die Leser, die lediglich den Feed abonniert haben: Seit kurzer Zeit gibt es turnhallengeruch.de auch als App direkt für euer Smartphone (Android, Windows & Apple. Blackberry kommt noch). Einfach diesem Link folgen oder im jeweiligen App-Markt gucken, installieren und nichts mehr verpassen.+++WERBUNG+++

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Die zweite Meisterschaft

Spätestens, seit man den Bayern den Meistertitel auch rechnerisch nicht mehr nehmen kann, wird von Medien und teilweise auch Spielern von einer “Meisterschaft hinter den Bayern” geredet. Was da hinter steckt, ist klar. Einerseits haben die Bayern der Konkurrenz über die komplette Saison überhaupt keine Chance gelassen und waren schon relativ früh einteilt. Da muss man den Rest der Liga irgendwie interessant reden/schreiben. Zum Glück haben wir ja noch den Abstiegskampf, der in diesem Jahr recht spannend ist. Andererseits wollen die Spieler ihre eigenen Leistungen in der Öffentlichkeit natürlich auch nicht schlechter aussehen lassen, als sie sind, also “erfindet” man flott einen neuen Wettbewerb: Die Meisterschaft hinter den Bayern. Schön und gut. Allerdings stellte sich mir die Frage, wie gut die aktuellen Teams hinter den Bayern im Vergleich zu den letzten Jahren sind, sprich: Wo hätte man in in den vergangen fünf Jahren mit 55 Punkten (BVB, aktuell 2. Platz) am 28. Spieltag gestanden?

Die Antwort ist wenig spektakulär: Für die Tabellenführung hätte es nie gereicht. In drei von fünf Jahren wäre man mit 55 Punkten am 28. Spieltag sogar nur auf dem dritten Platz zwischengelandet. Schaut man sich die Grafik unten an, sind 55 Punkte wohl ziemlich normal für eine Mannschaft auf den Verfolgerplätzen zu diesem Zeitpunkt.

Bemerkenswert ist allerdings der Abstand des Spitzenreiters. Dieser ist, mit Ausnahme 2011/12 in jedem Jahr seit der überraschenden Meisterschaft der Wolfsburger angewachsen. Bei der 2011-Meisterschaft des BVB deutlich, im letzten Jahr noch deutlicher, in diesem bekanntermaßen dramatisch. Ebenfalls interessant ist die Anzahl an Mannschaften, die sich im betrachteten Zeitraum unter den Top 6 getummelt haben: Ganze 15 Vereine stritten sich um die vorderen Plätze.

Wenn nun also auch Vereine, die sich zwischenzeitlich in die Zweitklassigkeit verabschiedet hatten, plötzlich oben mitspielen können, spricht das noch für eine starke Liga? Oder treten alle Mannschaften außer der einen, die Jahr für Jahr hohe zweistellige Millionenbeträge für Ablösesummen und Verpflichtungen auf den Tisch legt, mal mehr, mal weniger auf der Stelle? Eigentlich nicht, oder? Irgendwie fühlt es sich für mich tendenziell natürlich an, wenn in einer Liga gewisse Platzierungen grob an Richtwerte “gekoppelt” werden können. Wer über 60 Punkte holt darf im nächsten Jahr durch Europa reisen, mit 38 Punkten muss man schon mächtig Pech haben, um noch abzusteigen, und für die Meisterschaft sollte man schon so irgendwo bei Mitte 70 landen. Gegen Ausreißer ist natürlich nichts einzuwenden. Die Liga darf diese riesigen Abstände an der Spitze nur nicht zur Regel oder noch größer werden lassen. Fragt sich nur, wie man das machen soll. 

Punktausbeute der "Top15" von 2009-20014 (rückwärts, Stand 28. Spieltag)

Punktausbeute der “Top15″ von 2009-20014 (rückwärts, Stand 28. Spieltag, für große Ansicht anklicken!)

Die Grafik ist eher ein Abfallprodukt meiner Nachforschungen, vorenthalten wollte ich sie Euch aber nicht.

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