Hand!

Lange haben wir auf diesen Moment gewartet, plötzlich war er da: Jahre nach Einführung des Tor-Schiedsrichters hat dieser deutlich den Beweis seiner Notwendigkeit gebracht. Denn man muss sich schon fragen, wer in dieser Situation zum Einen so einen guten Blick auf die Szene samt Vergehen gehabt und zum Anderen zu dieser fortgeschrittenen Zeit noch eine derart weitreichende Entscheidung getroffen hätte. Klar, in der Kneipe vor der Leinwand war ich der Erste, der laut auf Handspiel reklamierte, was natürlich eher ein Verdacht, mehr Hoffnung und die Angst vor dem nächsten Remis, denn Sachverstand war. In der ersten Halbzeit hatte ich schließlich auch lediglich Glück, als mein empörter Ausruf “DER HAT SCHON GELB!!!” ausnahmsweise mal der Wahrheit entsprach.
Der Schiedsrichter hatte das Vergehen im Strafraum also offensichtlich nicht sehen können, der Linienrichter vermutlich schon. Vielleicht hatte er einfach nicht den Mut, eine Entscheidung zu treffen. Da darf man von UEFA-Referees wirklich mehr erwarten. Nur gut, dass das Team vor einigen Jahre sinnvoll erweitert wurde. Die Torlinientechnik kann solche Situationen übrigens nicht meistern…

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Eine neue Ära

Am Samstag ist es endlichendlichendlich so weit. Trainerentlassungen in der Länderspielpause haben ja den offenkundigen Nachteil, die Ungeduld ins Unermessliche zu steigern. Wird es einen Effekt bei der Mannschaft geben? Setzt der neue Mann nun mal auf die Jugend? Dürfen endlich die erfahrenen Kräfte ran? Wird es eine gute Mischung geben? Aber doch bitte kein Antifußball, ja? Gut, hinten komplett offen sollte man aber auch nicht sein. Viel Ballkontrolle wäre vielleicht nicht schlecht. Und blitzschnelles Konterspiel. Aber bloß nicht einfach ins Verderben laufen, wie sonst, ne? Einfach so ein glasklares Konzept, wie es nur ein charismatischer Coach im feinen Zwirn auf die Taktiktafel und das Spielfeld bringt. Moment mal: Feiner Zwirn? Wohl kaum. Auf Schalke hat man im Ballonseidenen an der Linie zu stehen! Wird man ja wohl noch sagen dürfen. Dann klappt das auch mit dem defensiv starken, ballbesitzorientieren, hoch gegenpressenden, abkippenden, explosionsartigen Konterspiel. Ganz sicher.

Auf Schalke riecht es nach dem Beginn einer neuen Ära. Große Zeiten brechen an. Schön, dass ausgerechnet die Freunde der Berliner Hertha zum Einläuten zu Gast sind.

(Vielleicht sehen wir ja sogar Busfahrer & Zeugwart im Einsatz…)

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In Dortmund

Januar 2004. Es war kalt in der sowieso schon wenig einladenden Wellblechhütte in Lüdenscheid-Nord. Ach, lassen wir das. Diese Namensverballhornungen sind eigentlich doch nur albern. Klar, die Schwarzgelben gehören schon irgendwie ins Sauerland, aber man will ja auch nicht das komplette Sauerland diffamieren. Also noch mal:

Januar 2004: Es war kalt in der sowieso schon wenig einladenden Wellblechhütte in Dortmund. Mein Freund Rainer und ich standen im Gästeblock irgendwo recht weit vorne, beziehungsweise unten, und wärmten uns am Bier. Wärmen. Am Bier. Klar. Bescheuerter Plan. In der nächsten Runde stiegen wir auf Glühwein um. Das war besser. Oder wäre besser gewesen, hätte Rainer keine helle Jacke angehabt. Nicht einmal zehn Minuten gespielt, kam es zur ersten super strittigen Szene. Frings hebt — frei vorm Schalker Schlussmann Frank Rost — spektakulär ab und bekommt lächerlicherweise dafür tatsächlich auch noch einen Elfmeter. Arjen Robben hätte es zwar spektakulärer, aber nicht besser hinbekommen. Doch alles war halb so wild: Rost konnte den Strafstoß — Entschuldigung —  die Rückgabe von Jan Koller locker entschärfen. Noch mal Glück gehabt. Allerdings hatte Rainers Jacke nach diesem Anfangsbrimborium schon eine mittelschwere Batikoptik durch meinen Glühwein. So ein Hippie! Schuld war natürlich nicht ich, sondern der Typ neben mir, der sich offenbar vorgenommen hatte, mich bei aufregenden Szenen wild zu schütteln. Klar, so lange die Sache auf dem Spielfeld gut ausging, stellte ich mich gerne für solche Aktionen zur Verfügung. Nur meinen Becher musste ich besser im Auge behalten.

Und klar, es gab noch massig strittige Szenen, aber wem erzähle ich das. Platzverweise auf beiden Seiten, noch einen gehaltenen Elfmeter, und, und, und. Kurz vor Schluss sorgte dann der eingewechselte Ebbe Sand nach ewiger persönlicher Torflaute für den 0:1 Endstand und brachte uns dazu, wie Flummis durch die Hütte zu hüpfen. Sollte der Typ doch auch mal wen anders schütteln…

Das war damals natürlich nicht der einzige Ausflug in die Wellblechhütte. Rückblickend kann ich das nur grob abstecken, aber in den Nullerjahren haben wir nur wenige Spiele dort verpasst. Irgendwie kam man ja doch immer an Karten. Entweder haute man einen der durchaus vorhandenen BVB-Kumpel an, die selbst bei Derbies wussten, wie noch an Karten zu kommen war, oder man besuchte eBay als letzten Ausweg. Beide Optionen führten zu Plätzen, die im Umkreis meist natürlich nicht unbedingt blauweiß dominiert waren, was man aber auf der Gegengerade ja durchaus mal in Kauf nehmen kann. Einmal — unsere Karten waren super kurzfristig über eBay erstanden — hatten wir nicht so ein großes Glück. Vor dem Kauf hatte ich mir vom Anbieter versichern lassen, dass die Karten auch für Blauweiße nutzbar seien. Alles kein Problem, die Plätze seien in einer dieser neu gebauten Ecken, da wäre alles easy, so die Aussage des Händlers. Klar, der wollte seine bescheuerten Eckkarten ja gerne für ‘nen Fuffi loswerden. Und wir waren bereit, das zu zahlen.

An der Hütte angekommen trafen wir uns dann und regelten die Übergabe. Erneute Nachfrage, erneute Beteuerung, alles sei cool. Auf dem Weg zu unseren Plätzen dünkte uns, so super cool und locker easy würde es nicht sein. Nur noch Schwarzgelbe, überall. Plötzlich fanden wir uns in der Ecke zwischen Südtribüne und Gegengerade wieder, ziemlich weit oben. Irgendeinem von uns lugte unter der Jacke wohl ein Fitzel vom Schal hervor, was direkt für Ärger und Wortgefechte sorgte. Ich konnte mich dem Eindruck nicht erwehren, hier irgendwie zwischen eine Horde Althools und Kacknazis geraten zu sein. Keine zwei Sekunden an unseren Sitzen angekommen, war der Entschluss klar Weg hier!

Also raus aus der komischen Ecke, und Richtung Norden geschlendert. Ob man wohl einfach in einen anderen Block spazieren könnte? Irgendwann — schon recht nah am Gästebereich — schlichen wir einfach mal in einen Gegengeradenblock. Da stand zwar ein Ordner rum, doch irgendwie interessierte der sich nicht für uns. Der Blick die Ränge hoch offenbarte Überraschendes: Unmittelbar vor Spielbeginn gab es hier noch massig freie Plätze. Also erklommen wir die Stufen, suchten uns eine Reihe mit genügend freien Plätzen aus und ließen uns nieder. Unfassbar: Wir hatten vor der Hütte 50 Eumels für ‘ne schlechte Eckkarte ausgegeben, hier waren locker noch 150 Plätze frei. Beim Derby. Zum Anpfiff! Großartig sollte sich das auch nicht mehr ändern, so konnten wir ohne Probleme unser Schalker Gesicht zeigen, die Blauweißen nach Belieben anfeuern und auf die anderen Spieler schimpfen. Auch als wir bereits nach 17 Minuten den Siegtreffer durch Ailton bejubelten, kam es zu keinen nennenswerten Zwischenfällen.

Glimpflich liefen die Besuche von Rainer und mir in Dortmund zwar eigentlich immer ab, ganz frei von Zwischenfällen waren sie aber natürlich nie. In einem Jahr haben wir uns recht spontan so einem Derbymarsch angeschlossen. Keineahnungwievieletausend Schalker sammelten sich am Bahnhof und bestritten zusammen unter Aufsicht der Polizei den Weg zur Hütte aus Wellblech. Unglaublich beeindruckend, außerhalb eines Stadions in so einer Menge Fans zu stehen. Ärgerlich war nur, dass ein paar Vollidioten jegliche Gelegenheit als Vorwand nutzten, Pyrotechnik und Böller abzufackeln. Waren aber bestimmt nur positive Emotionen wegen des zügigen Vorankommens. Auf dem Weg wurde uns dann aber eine Schwachstelle in unserer Planung gewahr: Erstens geleitete die Polizei den Tross natürlich Richtung Gästeblock und zwar nur dorthin, unsere Karten waren aber wieder für die Gegengerade, zweitens wollten wir uns vor dem Spiel noch mit einem Bekannten von Rainer treffen, der allerdings im anderen Lager beheimatet ist. Mit anderen Worten: Wir mussten irgendwie aus dieser Meute entkommen.

In der Nähe des Stadions angekommen dann die große Überraschung: Hatten uns die Cops den kompletten Weg noch auf allen Seiten abgeschirmt, waren sie nun kaum noch irgendwo präsent. Die Gruppe aus tausenden Schalkern latschte also mitten in den normalen Trubel eines Fußballspiels. Quasi auf dem Präsentierteller. Rainer und ich ergriffen die Chance und machten uns aus dem Staub. Schließlich hatten wir Termine einzuhalten und auch nicht so Bock auf einen großen Knall. Im Grunde kam uns die Polizeitaktik also entgegen. Zwei, drei Bier mit Rainers Bekanntem später machten wir uns auf den Weg zum Einlass. Vor den Toren dann das Grauen: Eine unfassbar riesige Menschenmasse drängte auf Einlass. Scheinbar vergebens. Es war kaum Bewegung zu erkennen. Waren die Tore überhaupt schon offen, oder hatte es einen Zwischenfall gegeben? Vermutlich einfach nur unfähige Ordner.

Dann: Platzregen. Innerhalb von einer halben Minute waren wir komplett nass. Ach, was sage ich: Wir waren parkstadionnass. Wer mich kennt, der weiß: Meine Stimmung war nun so richtig am überkochen. Mir versaut es ja schon den Abend, wenn in der Kneipe mal wieder jemand sein Bier daher schmeißt und meine Hose in der Schusslinie ist. Nun lagen also zwei Stunden Stadionerlebnis in nassen Klamotten vor mir. Gute Aussichten. An unseren Plätzen angekommen, hängte ich erst mal Jacke und Trikot zum trocknen über andere Sitze. Die Hose behielt ich mal lieber an. Im Feindesgebiet muss man schließlich aufpassen. Hinterher klaut die einer und man steht den restlichen Abend unten ohne da. Gefährlich. Als Souvenir dieser Episode hatte ich mir übrigens eine schöne Ohrenentzündung samt Tinnitus mitgebracht, welche ich am nächsten Wochenende einigermaßen in der Gelsenkirchener Sommersonne auskurieren konnte. Kein gutes Pflaster, dieses Dortmund.

Dies sollte am gleichen Tag auch die Schalker Mannschaft zu spüren bekommen. Ein 2:0 in völliger Schockstarre riss auch den letzten aus tiefen Meisterschaftsträumen. Für mich war das zu viel: Jede Menge Bierchen, nasse Klamotten, diese folgenschwere Niederlage. Gefährliche Mischung. Ich erging mich zwischen den ganzen Dortmundern in wüster Pöbelei. Wer mir krumm oder nur in den Weg kam, wurde einfach von A(ckerfresse) bis Z(eckenpimmel) durchbeleidigt.

Junge, Junge. Das hätte wirklich übel ausgehen können, muss ich mit etwas Abstand eingestehen. Glücklicherweise war Rainer dabei, hielt mich im Zaum und beschwichtigte meine Opfer ein wenig. Mit anderen Worten: Er rettete mir den Arsch. Komisch. Eigentlich ist er durchaus auch dafür bekannt, nach drei bis dreizehn Bieren nicht mehr so mega viel auf die Kette zu bekommen. Dieses Mal hatte er alles im Griff. Perfektes Timing! 

Ein bisschen unglücklich gewählt war dann neben meinem Verhalten auch noch unser Rückweg. Hätten wir eine Sekunde drüber nachgedacht, dass in Bochum gerade der VfB Stuttgart gegen den VfL gewonnen, und somit eine Spieltag vor Schluss die Tabellenführung von uns übernommen hatte, hätten wir wohl einen anderen Weg gewählt. So sahen wir uns im Bus aus Bochum mit feiernden Schwaben konfrontiert. Unangenehm. Noch schlimmer: Die Bochumer feierten mit! Wie blöd muss man eigentlich sein, eine eigene Niederlage zu feiern? Der sofortige Abstieg wäre die gerechte Strafe gewesen. Der ließ aber noch ein paar Jahre auf sich warten.

Wir saßen die komplette Fahrt über ganz vorne im Bus, regten uns über die feiernde Meute hinten auf, tranken Bier und übten uns in Galgenhumor. Der Fahrer hatte unser Leid offenkundig mitbekommen. Beim Aussteigen sprach er uns an. Schnell wurde klar: Hier saß ein Schalker, der wegen seiner Schicht das Debakel nicht sehen konnte — was vielleicht auch besser war — und nun die feiernden Stuttgarter und Bochumer kutschieren musste. Auch keine schöne Situation. Ich gab dem Mann mein letztes Bier für seinen Feierabend und wir wünschten uns trotz allem noch einen schönen Abend. Der letzte Funken Hoffnung erlosch dann eine Woche später.

2008 war dann wieder so ein totales Highlight-Spiel. Schalke führte nach 60 Minuten schon mit 0:3 und meine Stimmung auf der Tribüne hätte nicht besser sein können. Ekstase und ausgelassener Jubel bei allen drei Treffern. Doch dann wurde dem völlig katastrophalen Schiedsrichter Lutz Wagner das Spiel wohl etwas zu langweilig. Rot, Gelb/Rot, Elfer hier, irreguläre Treffer da, und plötzlich stand es 3:3. Nach Ansicht der TV-Bilder konnte man einigen Schalker Akteuren eventuell vielleicht eine klitzekleine Mitschuld attestieren,  im Stadion war ich dazu aber sowas von überhaupt nicht bereit. Völlig aufgebracht wütete ich zwischen all den Schwarzgelben auf der Gegengerade. Am liebsten hätte ich was kaputt gemacht. Oder jemanden. Herr Wagner wäre wohl eine gute Wahl gewesen. Und wieder “geriet” ich zwar in Wortgefechte, aber nicht in schlimmere Verwicklungen, wie ein Handgemenge, Faustkampf oder gar ein Duell. Auch löste ich keine Massenprügelei aus, so weit ich mich erinnere. Sehr seltsam. Vermutlich musste Rainer wieder zu meinen Gunsten agieren.

Ist schon schön, wenn man einen Freund hat, der einem auch mal in selbstverschuldeten Bredouillen den Rücken frei hält. Noch toller, wenn man nebenher auch noch die Liebe zum glorreichen FC Schalke 04 teilen darf. Hab’ ich mich eigentlich schon mal bedankt? Bestimmt, aber da war ich sicher ein bisschen angehopft und rührselig. Dies sei dann hiermit nachgeholt: Einfach nur Danke, mein Freund! Für die Derbygeschichten da oben und alles und sowieso.

Ach ja: Beim Spiel in Dortmund war ich seitdem nicht mehr. Man sollte das Schicksal schließlich nicht überstrapazieren.

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Testspiel | Dat Leben is kein Trallafitti

Das ist doch alles Scheibenkäse. Im Urlaub sind alle Ollen schön. Mit Sonnenstich und ein paar Pils in der Rübe sieht alles und jede romantisch aus. Der wird sich noch wundern. Der nackte Alltag ist ein böser Geselle.

Otto und Erwin schießen simple Wahrheiten locker aus der Hüfte. Das große Problem ist nur: Die zweite Heimat — ihr Lieblingskiosk — steht kurz vor dem Aus. Eine gesichtslose Immobilienfirma aus dem ungeliebten Dortmund hat das Haus gekauft, modernisiert und damit unbezahlbar für Kioskbetreiber Jupp gemacht. Schöne Scheiße. Doch da haben die Immobilienhaie ihre Rechnung ohne Fensterrentner Otto gemacht. Als alter Malocher aus’m Pütt setzt er alle Hebel in Bewegung, um Jupp und seiner Frau aus der Patsche zu helfen.

Trallafitti

Und wenn du dann abends deine Karre auf einem Platz mit guter Aussicht parkst und die Sonne hinter einem ausgedienten Förderturm untergehen siehst, dann weißt du, der Ruhrpott war, ist und bleibt eine astreine Legendenregion.

Manchmal reichlich absurd, aber durchweg unterhaltsam tolpatscht sich Otto eingebettet in viel Ruhrpottliebe durch Gelsenkirchen und das Ruhrgebiet und macht natürlich erst einmal alles noch viel schlimmer, als es sowieso schon ist. Zudem muss er höllisch aufpassen, seine geliebte Wilma nicht auf Kosten der Kioskrettung zu vernachlässigen.

Ob’s gut geht? Das findet ihr am besten selbst mal raus. Mich hat unser Fensterrentner (neben Twitter) ja spätestens mit seiner Regenbogenjoggingpeitsche gegen Homophobie überzeugt. Wahrlich ‘n feinen Kerl, der Otto.

Ab heute im Handel.

Otto Redenkämper
Dat Leben is kein Trallafitti
Der Fensterrentner erklärt die Welt
208 Seiten, Taschenbuch
ISBN 978-3-596-03086-6
8,99 €
Erschienen im Fischer-Verlag

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Endzeitszenario

Zum Saisonbeginn 2010/11 hat Felix Magath mit Schalke einen ordentlichen Fehlstart hingelegt: Vier Spiele, null Punkte. Die Bundesligasaison konnte daraufhin nicht mehr erfolgreich gestaltet, sondern nur die totale Katastrophe verhindert werden. Ob darin die ständige Panik vor einem Fehlstart und damit dem Abstürzen in den Abstiegskampf begründet liegt, oder ob die noch aus den beginnenden neunziger Jahren stammt? Keine Ahnung. Wobei: Die nackte Angst vorm Absturz — gerne auch unbegründet — ist ja in der Gesellschaft selbst so sehr verwurzelt, dass es beinahe komisch wäre, bliebe der Fußball davon verschont. So erzählen mir seit 2010 jeden einzelnen Saisonstart Leute, nun sei es so weit: Man steige wieder ab, wenn ich unverzüglich dieser, jener, oder vielleicht am besten gleich die ganze Mannschaft entlassen werden würde.

  • 2011: 3:0 Auftaktklatsche in Stuttgart: Mit der Mannschaft steigen wir ab! Der Heldt hat die Transferperiode vergeigt. Der muss weg!!
  • 2012: Am ersten Spieltag kommt Schalke nicht über ein 2:2 in Hannover hinaus: Letztes Jahr ist es noch mal gut gegangen, mit dem Heldt. Gelernt hat er nichts daraus! Weg mit dem! Den Stevens gleich mit! Und der Peters nervt auch!!
  • 2013: Drei Spiele, nur ein Punkt: Dieses Jahr sind wir fällig! Der Heldt kann nichts! Und der Keller! Null Charisma! Weg mit dem. Tönnies & Peters sowieso. Und von dem Jobst fangen wir besser gar nicht erst an. Dieses Jahr kann es nur gegen, ach was, um den Abstieg gehen!!! Und die Olle die das Bier an Büdchen 24 verkauft, ne? Weg mit der!

Und was in in dieser Saison? Drei Spiele, nur ein Punkt. Wenn jetzt nicht endlich Köpfe rollen, sind wir geliefert.

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Singt leise!

Eigentlich würde ich ja eher nicht auf die Idee kommen, ein Derby in einer BVB-Kneipe, oder ein Spiel gegen die Bayern nur mit Lederhosenträgern zusammen zu gucken. Na gut, ich hab’ mal sonntags in Köln in einer Kneipe Schalke gegen den FC gesehen, da war allerdings gerade Karneval, ich war inkognito und hab’ eh die meiste Zeit geschlafen. Aber diese Geschichte soll ein anderes Mal erzählt werden.

Bei uns in der Kneipe muss man sich eigentlich nicht davor fürchten, im falschen Trikot aufzutauchen. Ein paar Sprüche steckt man ein, aber das war es in der Regel auch schon. Trotzdem würde ich nicht auf die Idee kommen, mich da im Bayerntrikot direkt vor die Leinwand zu setzen und im Grunde ganz Schalke den Rücken zuzuwenden. Aber es gibt offenbar Leute, die da schmerzfrei sind. Ich hätte ja bei Gegentoren permanent Angst, einen Krug vor den Schädel zu bekommen. Vielleicht hatte sich der Typ am Samstag aber auch keine Gedanken gemacht.

Über seine Ausführungen zum Alonso-Wechsel habe ich mich dann aber so amüsiert, dass mich seine Anwesenheit kaum noch nerven konnte. Er fand das insgesamt zwar alles komisch (Kroos abgeben, Alonso holen), aber nun sei ja alles toll und der Neue spiele ja auch direkt. Aha. Gerade in dem Augenblick, als Sky im Vergleich Kroos’ relativ große Torgefahr gegenüber der Alonsos hervorhob, betonte der bayrische Gast, wie krass torgefährlich der Spanier doch sei. Perfekt.

Vielleicht meinte er aber auch die Gefahr für das eigene Tor. Was für ein Prophet. Auch toll waren die beiden Damen, die sich über die Lautstärke während des Spiels beschwerten. Eine Leinwand anzubrüllen mag zwar auf Außenstehende etwas seltsam wirken, ist aber doch wirklich völlig normal. Irgendwo muss man ja hin mit den Emotionen, wenn man dem Bayern schon keinen Krug über den Schädel donnern kann. Weswegen man allerdings ein Fernsehbild besingt, erschließt sich nicht einmal mir. “Auf geht’s, Schalke schießt ein Toooooor, schießt ein Tooooooooooooooooooor, schießt ein Toooooooooooohoohoooooor!“. Ja, das hoffe ich auch inständig, aber die Leinwand ansingen? Ich weiß ja nicht.

Vielleicht hat ja aber genau das bei Höwedes’ Traumtor geholfen. Dann hätte der Nachbartisch ruhig noch ein bisschen mehr singen dürfen. Den beiden Damen zuliebe ein bisschen leiser.

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Vollhonks & Gewinner

Als ich heute morgen in der Stadt aus dem Auto stieg, fiel mir direkt ein Typ auf, der gerade seine fürchterlich verbastelte Proletenkarre verließ. Er fiel mir auf, weil er mich (und vermutlich meinen kleinen Corsa) komplett musterte. Den Schalkeaufkleber hatte er offenbar direkt entdeckt und — geistige Meisterleistung — meine Zugehörigkeit diesem Club erschlossen. “DÜÜÜNAMÖÖÖÖÖ!!!” schallte es mir entgegen. Aha. Ein Dynamo wäre jetzt nichts, womit ich großartig angeben würde, aber gut. Strafe durch Missachtung schien mir am angebrachtesten, schließlich hatte ich wichtigere Aufgaben zu erledigen.

In meiner Tasche befanden sich nämlich die Umschläge mit den Schalke-Alben, die hier neulich unter die Leute gebracht werden sollten. Die glücklichen Gewinner wurden zwar von mir schon persönlich kontaktiert, allerdings darf man diese ja ruhig auch noch mal öffentlich erwähnen. Herzliche Glückwünsche gehen an Carlito, Claudia & eakus1904. Die Bücher sind auf dem Weg. Bei den anderen kann ich mir nur für die Beteiligung bedanken. Vielleicht klappt es beim nächsten Mal.

Und sonst? Geht halt heute wieder los mit der Pflichtspielerei. Das weiß man ja aber auch, ohne sich von Vollhonks in der Stadt anbrüllen zu lassen, oder?

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Saisoneinstimmungsveranstaltung

Während die zweite Liga schon voll dabei ist, schlägt Schalke 04 sich noch mit diversen Testspielen rum. Die Ergebnisse sind in erster Linie nicht so toll, aber das muss nun wirklich nichts heißen. Richtig wichtig wird es erst in einer Woche, wenn die 1. Pokalrunde gegen Dynamo Dresden ansteht. Da zählt’s dann.

Diese Woche kann man also noch entspannen und dann am Freitag bei einer schönen Veranstaltung in Burscheid den Saisonstart einläuten:

Veranstaltungsankündigung

Screenshot der Buchhandlungswebsite

Wenn genug von Euch kommen, lese ich vielleicht auch ein bisschen was vor. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich hinter diesem Link. Zudem sei noch auf die aktuell laufende Verlosung hingewiesen, bei der Ihr unbedingt mitmachen solltet. Hier entlang.

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Testspiel | Schalke-Album

Eigentlich spiele ich ja mit dem Gedanken, das Format “Steile These” zu begraben. Irgendwie muss ja nach 71 Spielen auch mal was anderes her. Schauen wir mal, was sich bis zum 18.8. noch so ergibt. Aber so ganz kommt Ihr heute noch nicht davon: Vor einer Woche ist Ben Redelings’ (Ja genau, dieser VfL-Typ) “Schalke-Album” auf den Markt gekommen. Das Cover verspricht “unvergessliche Sprüche, Fotos, Anekdoten”, und das kann es auf jeden Fall halten. Vieles kennt man vielleicht schon, einiges mit Sicherheit nicht. Und selbst das, was man kennt, ist so geballt und schön aufbereitet, dass sich ein Blick ins Buch wirklich lohnt. Die circa 150 Seiten, hauptsächlich gespickt mit steilen Thesen von Schalker Spielern und Verantwortlichen, kann man gut am Stück weglesen, das Konzept lädt aber auch einfach mal zum Stöbern ein, so als typische Klolektüre: Siebert, Assauer, Eichberg, Neumann, Siebert, Siebert, Eichberg, Neumann, Assauer, Assauer und viele mehr. Hier kommen Typen zu Wort, die mit Worten Bilder malen. Echte Poeten, nichts als die Wahrheit. “Man kann wirklich nicht immer seiner eigenen Meinung sein!” Wusste schon Jörg Berger.

Und nun das Beste: Der Verlag Die Werkstatt hat mir drei Exemplare zur Verfügung gestellt, damit ich die hier unter die Leute bringen kann. Das mache ich natürlich gerne.

Schalke-Album

Schreibt (bis zum 14.8.2014, 19:04 Uhr) einfach Euer Lieblingszitat eines Schalke-Akteurs (Zitat inkl. Urheber) in die Kommentare und Ihr nehmt automatisch an der Verlosung teil. Mehrfachteilnahme erhöht die Gewinnchance natürlich nicht.

Ben Redelings
Schalke-Album
Unvergessliche Sprüche, Fotos, Anekdoten
160 Seiten, Paperback, durchgehend farbig, viele Fotos
ISBN 978-3-7307-0108-9
 9,99 €
Erschienen im Verlag Die Werkstatt, Göttingen

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Ganz unten

Was das Fußballspielen angeht, darf man mich wohl als Spätberufenen bezeichnen. Während andere Kinder schon in der Minikickerbambinipampersliga vor den Ball traten, war das alles für mich noch überhaupt kein Thema. In der Rückschau änderte sich das erst ein bisschen in der Zeit zwischen der EM ’92 und der WM ’94, wobei die Nationalelf an dieser Entwicklung wenig Beteiligung gehabt haben dürfte. Vermutlich waren es eher die Blauweißen, die das Interesse weckten.

Der Schritt, dem örtlichen Fußballverein beizutreten, blieb dennoch aus. Mein Bruder und ich spielten Tischtennis, durchaus ein paar Jahre lang. Fußball gab es lediglich auf dem Bolzplatz oder gelegentlich im Schulsport, wenn mal ausnahmsweise keine grässlichen Dinge wie Turnen, Leichtathletik oder Volleyball auf dem Plan standen. Als wir allerdings beim Tischtennistraining dazu übergingen, zum Aufwärmen(!) Fußball zu spielen, war das Ende dieser Freizeitbeschäftigung so gut wie besiegelt. Ziemlich schnell zeichnete sich ab, dass viele Kinder in erster Linie zu den Trainingseinheiten kamen, weil eben vorher möglichst ausgedehnt Fußball gespielt wurde. Da würde ich mich auch gar nicht ausnehmen. Also konnte man das mit dem Tischtennis auch gleich sein lassen. Ehrlicherweise muss ich auch eingestehen, nie sonderlich gut an der Platte gewesen zu sein. Viel mehr fiel ich wohl dadurch auf, unheimlich schlecht verlieren zu können. Ein Umstand, der sich interessanterweise bis heute ziemlich gewandelt hat.

Als es mit dem Tischtennis dann zu Ende ging, stand, anders als man es jetzt erwarten könnte, kein Wechsel zum Fußball an. Nein, Handball wurde ausprobiert. Ein riesiges Missverständnis, wohl beiderseits. Da war ich so um die 13 Jahre alt und die Karriere als Vereinssportler konnte getrost als beendet angesehen werden.

Eine kleine Ewigkeit später spiele ich nun in einer Altherren-Mannschaft Fußball. Betriebssport, nichts besonderes. Nur Spiele, kein Training. Der Schichtdienst vieler Mitspieler ließe sowas auch gar nicht ordentlich zu. Angefangen hat die Betriebssportsache, indem ich in der neugegründeten Kleinfeld-Truppe ausgeholfen habe, aus der dann eine reguläre 1. Mannschaft hervorging.  Als diese nach zwei eher weniger erfolgreichen Saisons aufgelöst wurde, blieben nur die Optionen aufzuhören oder zu den Alten wechseln. Da die Lust zum Kicken durchaus noch vorhanden war und die Mannschaft nicht gerade unsympathisch erschien, war die Wahl klar.

In meinen Endzwanzigern habe ich also zum ersten Mal wirklich in einer Art Verein Fußball gespielt. Zum ersten Mal in Elferbesetzung, zum ersten Mal auf dem großen Feld. Manch einer kann sich vielleicht vorstellen, wie schwierig es ist, sich dort zurechtzufinden, wenn man sonst nur kleine Bolzplatzkäfige oder Hallenplätze gewohnt ist. Taktik, Positionstreue, Verschieben, Gegenspieler im Auge haben, dies, das. Man bekommt irgendwie nicht so häufig den Ball. Sehr seltsam, das alles.

Zu Beginn wurde ich meist als ein Teil einer Doppelsechs aufgestellt. Das kam mir zwar komisch vor, hört man doch immer wieder, wie wichtig diese Position im Fußball sei, aber über einen Platz in der Startelf beschwert man sich ja nicht. Überraschenderweise funktionierte das immer ganz gut, wenn mein Kumpel M. auf der Sechs neben mir spielte. Der erledigte seine Aufgaben nämlich nicht nur meist bravourös, sondern hatte auch immer noch genügend Zeit, mich mit hilfreichen Anweisungen zu versorgen. Dass ich von alldem nämlich nur theoretisch Ahnung habe, wusste er offenbar ganz genau.

Wenn M. nicht da war, hab’ ich natürlich eher schlecht ausgesehen. Mein Nebenpart auf der Sechs hatte dann entweder selbst keinen Plan, oder hat diese Aufgabe dermaßen offensiv interpretiert, dass ich mich quasi im Regen stehend wiederfand. Keine angenehme Situation. Auch schön für einen Neuling wie mich, waren Positionswechsel während des Spiels. Plötzlich stellt der Trainer um und man findet sich in der Verteidigung in einer Dreierkette wieder. Dort weiß man dann gar nicht, wo man zu stehen und was man zu tun hat, außer eben die Stürmer unauffällig zu treten und Bälle wegzubolzen. Bei Joel Matip sieht der Job irgendwie eleganter aus.

Nach dem Wechsel zu den Alten Herren fand ich mich dann in der Regel im rechten oder linken Mittelfeld wieder. Fragte man mich, ich machte kein Geheimnis daraus, dass ich mich dort auch am wohlsten fühle. Auf der Außenbahn hat man potenziell weniger Gegenspieler als in der Zentrale und zudem wiegt ein Fehler dort im Normalfall nicht so schwer, wie er es tut, wenn man ihn in der Defensive oder gar als letzter Mann begeht. Außerdem bilde ich mir ein, noch über eine gewisse Grundschnelligkeit zu verfügen, die natürlich am Spielfeldrand besser zur Geltung kommen kann.

Für das Pokalspiel gegen einen klassenhöheren Gegner, das kürzlich anstand, hatte sich der Trainer allerdings etwas ganz anderes überlegt. Bei der Bekanntgabe der Aufstellung fand ich mich als rechter Außenverteidiger in einer Viererkette wieder. Viererkette? Noch nie gespielt, aber Lamentieren hilft ja nicht. Vor dem Anpfiff kam J., der rechte Mittelfeldspieler, zu mir und bat mich, möglichst meine Position auf der Seite zu halten. Erst kürzlich habe ein anderer  Außenverteidiger sich immer vom Gegner ins Zentrum ziehen lassen und die Flanke entblößt. Ich nickte. Was sollte ich auch sonst tun, als auf die erfahrenen Spieler zu hören. Vor allem in so einem Spiel.

Das Wetter und die Platzverhältnisse an diesem Tag ließen sich am leichtesten folgendermaßen beschreiben: Schon nach dem Aufwärmprogramm hätte problemlos ein Goldfisch in meinen Schuhen wohnen können und selbst hart gespielte hohe Bälle blieben einfach liegen, sobald sie Kontakt mit dem Platz aufgenommen hatten.

Im Spiel sah ich mich dann plötzlich im Spannungsfeld zwischen J., dem Mann auf der rechten Seite, und B., dem Abwehrchef im Zentrum wieder. B. wollte seine Viererkette möglichst kompakt halten und wies mich immer wieder an, ins Zentrum nachzurücken, wenn das Spiel sich verschob. J. hingegen bedeutete mir immer wieder, meine Position auf außen zu halten, um ihm mehr Freiheiten im Spiel nach vorne zu gewähren. Als Neuling im Team habe ich natürlich versucht, es beiden recht zu machen. Im Endeffekt hatten ja auch beide Forderungen irgendwo ihre Berechtigungen, was wohl allerdings eher einem gesamttaktischen Problem geschuldet war. Das komplette Spiel über war ich also damit beschäftigt, von rechts in die Mitte und zurück zu hetzen, um irgendwelche vermeintlichen Lücken zu schließen. Wahrscheinlich habe ich so öfter falsch, denn richtig gestanden, was aber ohne wirkliche Konsequenzen in Form von Gegentreffern über meine Seite blieb.

Nun ist es bei unserer Mannschaft wie oben schon angedeutet so, dass wir uns nie zum Training treffen, allenfalls mal zum gemeinsamen Hallenkick. Folglich ist also jeder selbst noch mehr für seine Kondition verantwortlich, als es in regulären Vereinsmannschaften der Fall ist. Kraft- und Luftdefizite sind bei dem ein oder anderen zum Ende des Spiels also quasi vorprogrammiert. Dann wird es konfus.

Mit 2:1 lagen wir in der Nachspielzeit der zweiten Hälfte vorne — waren also schon mit einem Bein im Pokalviertelfinale — als unser Gegner sich noch einmal einen Eckball erarbeitete. Die Abwehr befand sich zwar weitestgehend auf dem Posten, unsere Offensivabteilung sah sich aber offenbar nicht mehr im Stande, den weiten Weg Richtung eigenem Sechzehner anzutreten. Alles Geschrei half nichts. Ob wir jetzt dadurch in eine Unterzahlsituation geraten waren, weiß ich gar nicht mehr. Vielleicht war es auch ausgeglichen, aber darauf kam es auch nicht an. Wir wurden überrumpelt, der Ball zappelte im Netz, buchstäblich in der letzten Sekunde. Verlängerung. Und eigentlich konnte ich keinen Meter mehr laufen.

Mein rechter Schuh hatte sich völlig durchnässt inzwischen teilweise seiner Sohle entledigt und mir schwirrten Wörter wie Momentum durch den Kopf. Wir hatten die doch am Rande der Niederlage.

In der Verlängerung tat sich dann Erstaunliches. Ich bekam zwar noch immer schwer miteinander zu vereinbarende Anweisungen, war allerdings nicht mehr in der Lage, irgendeiner davon Folge zu leisten. Dafür drehte unsere Angriff nun kräftig auf. Offenbar war ihnen bewusst, was da kurz vor Schluss den Ausschlag gegeben hatte. Zwei kurz aufeinanderfolgende Buden brachten uns wieder in Front. Unsere Gegner, die ebenso wie wir ihr Wechselkontingent erschöpft hatten, mussten nach unseren Torerfolgen erschöpfungs-/verletzungsbedingt gleich auf zwei Spieler verzichten, was am Ende unseren Sieg sicherte.

Sensation! Regenschlacht! Viertelfinale! Glaubt man den Legenden, hat es das bei uns noch nie gegeben. Nach dem erlösenden Schlusspfiff schleppte ich mich klatschnass in die viel zu kleine Kabine und suchte mir eine Ecke. Es war beinahe gespenstisch still. Aus dem TV kennt man ausgelassene Kabinenparties nach solchen Erfolgen. Hier war jeder mit sich selbst und seiner körperlichen Verfassung beschäftigt. Nicht mal eine einzelne Flasche Bier habe ich gesehen.

So ist das wohl, wenn man wirklich ganz unten spielt.

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